Ja wie denn nun?

grüner Koffer

Heute will ich mal ein wenig aus meinem Nähkästchen plaudern… aber pst. Irgendwie geheim.
Wahrscheinlich.

Ich arbeite ja an einem Ort, wo viele Leute hingehen um wegzukommen. Momentan wohl nicht so viele, aber es gibt sie immer noch.
Und meine Aufgabe dort ist zu schauen, dass nichts mitgenommen werden darf, was nicht mitgenommen werden soll.

Jetzt werden wir von der Polizei bezahlt, damit die das nicht selbst machen muss. Und die ist dann natürlich nur interessiert, dass Sachen gefunden werden, die unter ihre Zuständigkeit fallen. Also verbotene Waffen, Sprengstoffe + natürlich auch Bomben. Die vorrangig.
Alles andere ist 2.te oder noch niedrigere Wichtigkeits-Klasse.

Jetzt ist es aber so, dass Bomben nur in den seltensten Fällen vorhanden sind.
Was ein Glück.
Verbotene Waffen fallen hin + wieder mal an: Butterflymesser, Springmesser, Wurfsterne… Letzte Woche hatte ich tatsächlich mal wieder eine Präzisionsschleuder (das ist eine Schleuder mit Unterarmstütze).
Öfters gab es auch schon Taschenlampen, die auch als E-Schocker funktionieren. Sowas fällt dann wieder unter den getarnten Bereich und ist von daher auch verboten. Wie Stockdegen. Getarnte Waffe = höchstwahrscheinlich verboten.

Das meiste, was eigentlich von uns gefunden wird, sind dann also DGR = Dangerous Goods. Gefährliche Güter.
Sachen, wofür die Reisenden bestätigen durften, dass so etwas nicht mitzunehmen ist im Reisegepäck.: Feuerzeuge, Powerbanks, Feuerwerk, Wunderkerzen, Gaskartuschen etc. etc.

(So sieht eine Box um die Weihnachtszeit aus, in der diese gefährlichen Güter gesammelt werden. Und nein, das ist kein Geschenkpapier. ;o))

graue Kiste mit vielen Röhren voller Konfettikanonen

Im Moment läuft die Erprobungsphase eines neuen Systems.
Kann viel, könnte noch mehr… aber das kostet ja Geld.
Also wird es beschnitten – und wir dürfen das System dann so testen und ausprobieren. Ich wohl nächste Woche. (Zum Zeitpunkt des Vorschreibens. Inzwischen durfte ich es schon live erleben.)
Jetzt möchte unser Auftraggeber also, dass wir uns nur um die Dinge kümmern, für die er bezahlt. Und das ist nun mal nicht DGR.viele Koffer (ca. 10) warten auf das Große Öffnen
Gefährliche Güter wären Sachen derjenigen, denen auch die Flugzeuge gehören. Oder in deren Namen sie fliegen. Aber nach Aussagen eines Einsatzleiters: Die bezahlen nicht dafür.
(Wahrscheinlich eher im Gegenteil. Wenn sich im Sommer die Koffer zum Aufmachen gestapelt haben, weil überall entweder Powerbanks oder Feuerzeuge oder Benzin-Motorsägen oder was weiß ich drinnen sind, schaut eher ein Vertreter vorbei und fragt, wieso das Gepäck so lange braucht bei uns.)

Jetzt heißt es also, wir sollen uns nicht mehr um DGR kümmern. Was einigen Kollegen dann wohl doch ziemlich den Lebenszweck nimmt.
Ich denke mir ‚von mir aus‘.

Wobei es dann wahrscheinlich interessant werden dürfte, sollte beim Verladen mal wieder eine Powerbank ein Gepäckstück abfackeln… und dieses Gepäckstück wurde vorher von uns kontrolliert.
Da kann ich mir schon vorstellen, dass mensch dann gerne wissen möchte, wer denn speziell DIESES Gepäckstück kontrolliert hat… und warum das DGR-Stück nicht herausgenommen wurde.

Wer ist dann schuld?

Und natürlich kann mensch inzwischen nachvollziehen, wer welches Gepäckstück kontrolliert und/oder bearbeitet hat. Da hat unser Auftraggeber schon für Sorge getragen. Schließlich muss mensch ja wissen, wer schuld ist, sollte was passieren.

Doch wenn wir uns jetzt nur noch auf unsere bezahlte Arbeit konzentrieren… wer ist dann verantwortlich für den ganzen Schmodder, der da sonst mitgenommen wird?

Wahrscheinlich finden es unsere Nicht-Auftraggeber besser, wenn nicht mehr so viel rausgeholt wird. Weniger Beschwerden.

Bis was passiert. Und wer war es dann?

Das wird dann die Frage des Tages sein…

PS:
Nun, nachdem ich also das erste Mal damit arbeiten durfte… Letztendlich finde ich immer noch DGR. Wenn sonst nichts drinnen ist (außer Klamotten), wäre es ja blöd, gar nichts zu sehen. Auch nicht die große Powerbank im Koffer, oder den Packen Feuerzeuge. Und ein einzelnes kleines Feuerzeug mag mir vorher auch schon mal durchgewitscht sein. Da hat der Zufall dann halt leider nicht zugeschlagen. Weil halt „Zufallsfund“. Was soll mensch machen…
*Schulterzuck*

 

Geschafft!

Ich verdiene meine täglichen Brötchen damit, an einem deutschen Flughafen danach zu schauen, dass die lieben Fluggäste nichts im Reisegepäck haben, was die Sicherheit gefährdet. Also Feuerzeuge, Gaskartuschen, Wunderkerzen… oder gar verbotene Waffen, deren Besitz in Deutschland strafbar sind – hier sei nur kurz der Schlagring und das Butterflymesser genannt.
Und natürlich soll auch nichts mitgehen, das unterwegs „BUMM!“ und Löcher macht…

Das Gute an dieser Abteilung „Reisegepäck“ ist, dass das Gepäck nicht diskutiert. Und es ist nicht so schweißtreibend zu kontrollieren, wie damals auf der sogenannten „Sonderkontrolle“ wie z.B. B22 – wo prinzipiell jeder Fluggast nochmal per Handsonde „bearbeitet“ wurde. Vor dem Flug eine kleine Massage – am besten Fußmassage inclusive.
Klingt ja vielleicht nicht schlecht – doch darf in Deutschland nur gleichgeschlechtlich untersucht werden. Und wer sich heutzutage auf der Straße mal umsieht… Es sind nicht alle Leute Traumkörper besitzende Adonise – von möglichen Transpirationsgeschädigten und somit fast total unter Wasser stehenden Gästen mal ganz abgesehen…
Also – auch wenn sich in der Fluggastkontrolle seit den dunklen Sonderkontrollzeiten viel getan hat – wir Mädels und Jungs aus dem Gate, dem Erdgeschoß des Flughafens – sind in unserer Abgeschiedenhet + Ruhe (vor Passagieren) so glücklich, dass wir jede Möglichkeit nutzen, um eben im Gate zu bleiben – und sei es noch so kalt und laut…

Nun hat sich die „liebe“ EU wieder etwas neues einfallen lassen und verlangt jetzt, das unser Berufszweig „Luftsicherheitsassistent“ nach 3 Jahren beweisen soll, dass er noch weiß, was er da so auf den Röntgengeräten sieht. Man darf aus 15 Koffern je 4 Gegenstände bewerten nach Alltagsgegenstand, gefährlich… und Bombe!
Es sind also insgesamt 60 Gegenstände – wenigstens 36 sollten richtig gewertet sein – wobei die gefährlichen Gegenstände + Bomben zu 100% erkannt werden müssen.
So weit, so gut.
Wobei wir „Gaties“ dann immer noch mal umdenken müssen – denn dieser Test richtet sich nach der Handgepäck-Basis – und was da verboten ist (große Messer, Flüssigkeiten über 100ml etc.), ist uns im Reisegepäck egal.
In Maßen. ;o)
Wenn man bei diesem Test durchfällt – etwas „böses“ nicht erkennt – dann muß man den Test noch mal machen. Und darf solange nicht an den Monitor zum Auswerten.
Dies macht für unsere Kollegen von „oben“ kaum einen Unterschied – während wir „unten“ ja nichts anderes machen. Was bedeutet: Durchgefallen = Ab nach oben! Für unbestimmte Zeit, bis man es nochmal versuchen kann. (Ein Kollege war gut 21/2 Monate oben…. NOOOIIIIIN!)
Entsprechend steht für uns „Gaties“ etwas mehr auf dem Spiel…

Heute war ich eeendlich dran.
Endlich diesen Test (die „Rezi“) überhaupt machen – und gut ist. Für hoffentlich 3 Jahre.
Doch eine gewisse Nervosität war natürlich schon da. Weil… siehe oben.

Der Test lief ganz gut – nur die blöden Bomben haben gewartet bis zu den letzten 2 Koffern. Da kann einem schon anders werden, ein wenig. Doch dann kamen sie endlich.
Also eigentlich alles im grünen Bereich.
Danach blieb nur noch die Auswertung abzuwarten.
Die Wartezeit habe ich mir mit einem Mettbrötchen und einer Cola aus der Kantine versüsst. Das habe ich mir da mal gegönnt. War nötig.
Dann das Ergebnis: Alle bestanden. Puh. Und selber sogar 57 von 60 Punkten erreicht. Wunderbar.
Dann kann ich jetzt wieder zum normalen Tagesgeschäft zurückkehren.
Geschafft.
Für die nächsten 3 Jahre.
Falls bis dahin in Brüssel nicht noch was Neues ausgebrütet wird…