Die Wahl der Qual

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Es sind ja wieder ein paar Tage her, seit meinen letzten Zeilen hier. Da hat sich nun vorgestern ein Thema ergeben, dass mich wieder mal zum Schreiben veranlasst. Yay!

Auch wenn das Thema eher nicht mein Thema ist. Anyway. Es will raus, also ist es gerade doch mal mein Thema. So einfach ist das.

Vorgestern waren in Hessen Wahlen.

Kreistag, Stadtverordnete, mancherorts Bürgermeister.

Gut, hier nicht. Aber 3 Listen zum Ankreuzen reichen auch schon. Hier waren es Kreis, Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeirat im Ortsbereich Innenstadt.
157 Stimmen!Foto-0516
*Krächz*
Da müsste ich jetzt eigentlich sowas von heiser sein.

Ok, Scherz beiseite.

Als Erstes will ich zu der ganzen Sache jetzt mal anmerken, dass ich mich eigentlich als unpolitisch bezeichnen würde.
Wenn Kollegen auf der Arbeit politisieren, halte ich mich raus.
Bisher bin ich noch nie zu irgendwelchen Demonstrationen gegangen, weder für noch gegen etwas. Und ich gedenke, das auch weiterhin so zu halten.

Trotzdem gehe ich bisher fast immer bei Wahlen meinem Recht und meiner Pflicht nach, ein oder mehrere Kreuze zu machen.

Mir fällt gerade nur eine Wahl ein, zu der ich tatsächlich mal NICHT gegangen bin. Auch wenn ich gerade nicht weiß, was dies für eine war. Ich denke fast, es war so etwas unwichtiges wie die letzte OB-Wahl hier. Unwichtig, weil dem gesetzten OB nicht wirklich eine Alternative gegenüber stand. Von daher bin ich da tatsächlich mal NICHT zur Wahl gegangen.
Sonst meines Wissens so gut wie immer.

Und eigentlich wähle ich, so gut wie fast immer bisher, die Partei, deren Farbe mir am Besten gefällt. Ich habe sie sogar schon gewählt, als ich noch gar nicht wirklich wählen durfte.

1982 haben wir in der Schule im Unterricht, im Zeitfenster der damaligen Wahlen, auch mal eine Wahl durchgeführt. Zum Nichtnachrechnen-müssen: Da waren wir so um die 12 Jahre alt.
Die stärkste Partei wurde in unserer Klasse tatsächlich die CDU, gefolgt von der SPD. Und ich war eine der 3 Stimmen für die Grünen.
Damals schon.
Und dies war seitdem auch immer meine erste Wahl.

Doch irgendwie passt mir momentan gerade nicht, was so Landes- und Bundestechnisch entschieden wird.

Auch wenn dies jetzt „nur“ eine Kreistags-, Stadtverordneten- und Ortsbeiratswahl war… ich gehe davon aus, dass die meisten Stimmen aufgrund von Landes- und Bundesentscheidungen vergeben wurden.

So wie ich es dann auch vorgestern getan habe.

Es war dies tatsächlich auch die erste Wahl, bei der ich vorher mal mit meinem Vater vor Ort über diese gesprochen habe und wir beide fanden, dass man irgendwie momentan keinen wählen kann. Oder will.

Mein Vater vor Ort war lange Zeit hier in der SPD, von daher zieht es mich schon immer eher in den roten statt den schwarzen Bereich. Von meinem grünen abgesehen. ;-)

Ich finde es persönlich besser, wenn es – theoretisch – allen etwas besser geht, statt das einige, die schon was haben noch mehr bekommen.

Dies betrifft auch die aktuellen Flüchtlingsdebatten.
Auch wenn ich mich weder ehrenamtlich noch sonstwie engagiere.

Was sagt das jetzt wohl über mich aus? Nicht, das ich mich da jetzt groß drum kümmern würde.

Dennoch kann ich mit den „besorgten Bürgern“, Pegida und AfD nichts anfangen.
Bei „besorgten Bürgern“ muss auch ich eher an das Zitat von Sir Terry Pratchett aus seinem Scheibenweltroman „Die volle Wahrheit“ denken:

“Ah!”, sagte Herr Nadel, “Ja, ich erinnere mich. Ihr seid besorgte Bürger”. Über besorgte Bürger wusste er Bescheid. Wo auch immer sie sich aufhielten: Sie sprachen immer die gleiche private Sprache, in der “traditionelle Werte” und ähnliche Ausdrücke auf “jemanden lynchen” hinausliefen.

Bevor sich die AfD so nach rechts geschoben hat, hätte ich sie mir als Denkzettel durchaus denken können.

Jetzt nicht mehr.

Wenn ich hier jetzt einen Kollegen auf der Arbeit höre, der den Frankfurter Musterstimmzettel dabei hat (einen großen Fetzen Papier) und sich überlegt, dass er 93 Stimmen zu vergeben hat, die AfD ja aber nur 30 Personen auf der Liste hat und somit ja 3 Stimmen übrigbleiben… Er musste jetzt also überlegen, wo er diese 3 Stimmen noch unterbringt – denn leider hatte die NPD keinen türkischen Namen in der Liste…

Dann krieg ich innerlich das Kotzen!

Bei der letzten Wahl hatte ich einem Kollegen den Wahl-O-Mat gezeigt. Und der war zufrieden, dass dieser ihn mit der Partei NPD bestätigt hat.

Oh, es sind hier bei meiner Arbeit nicht alle rechts. Wir haben auch ’nen Italiener, der in allem Propaganda für die USA sieht – dabei sind die ja an allem schuld. Und ob meine Russisch-Deutschen Kollegen jetzt alle für Putin sind – keine Ahnung. Ein Teil wahrscheinlich.

Aber das nur nebenbei.

Auch – gefühlt – das meine Kollegen aus den „Neuen Bundesländern“ eher rechts eingestellt sind und entsprechend daherreden als die aus den „Alten Bundesländern“…
Kommt mir bestimmt nur so vor. Das bilde ich mir nur ein.

Wieder zurück zur Wahl.Foto-0515

Irgendwie bin ich mit den Grünen in Berlin und in Hessen nicht so zufrieden, im Moment. Entsprechend habe ich vorgestern also meine Kreuzchen mal woanders hingesetzt. Weiter nach links auf der großen Liste. Ich hatte ja genug davon.

Bei der Stadtverordnetenversammlung habe ich die 3 Personen, die ich wirklich persönlich kenne, mit je 3 Kreuzchen bedacht: jemand, mit dem ich schon Theater zusammen gespielt habe; jemand, den ich von einer anderen Theatergruppe kenne/kannte – und einem alten Lehrer von mir. Oh – auch ein Theatermensch. Sowas. (Das waren also je 3 für SPD, Grüne und BfH.) Die restlichen landeten dann in einem Listenkreuz – NICHT bei der AfD.

So ähnlich habe ich es dann auch im Kreis gemacht. Auch wenn ich da nur einen bekannten Namen erblickt habe – und einen Nachnamen, der ich mir bekannt vorkam und wo ich einfach mal vermute, ich kenne diese Person, da dieser Nachnamen hoffentlich nicht so oft vorkommt.

So habe ich also meine Kreuzchen gemacht.
Gültige Kreuzchen.
Da ungültige letztendlich ja unter den Tisch fallen. Und somit gar nichts bewirken.

Jetzt bleibt abzuwarten, was hier nun als Endergebnis herauskommt. Und inwiefern sich die Parteien wegen der Ergebnisse äußern, und ob diese Auswirkungen haben werden. In dem, wie es jetzt so weitergeht. Bisher sieht es wohl nicht so aus.

Ich glaube, nächste Woche ist in Baden-Württemberg Landtagswahl. Diese ist ja eine „wichtigere“ Wahl als unsere hier in Hessen. Mal sehen, wie sie dort ausfallen wird.

Im Kleinen habe ich jetzt quasi mal protest-gewählt. Mein zukünftiges Wahlverhalten kann ich ansonsten noch nicht absehen. Doch ich hoffe, dass sich bei der nächsten „kleinen“ Wahl die Werte hier wieder normalisieren. Das hoffen wohl auch die großen Parteien… ob das dann so klappt?

Schau’n mer mal.

’s is‘ halt immer’n Kreuz mit’m Kreuz.

Streik… und Gewerkschaften

Es wird gestreikt – und die Stimmungswellen schlagen hoch.

Am Flughafen Frankfurt hat – im übertragenen Sinne – eine Handvoll Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt, um dem großen Hausherren zu sagen „So nicht!“
Die Zeitung mit den vier Buchsteben scheint eher auf der Seite der Aktionäre zu stehen, wenn ich die Schlagzeile auf Seite 3 richtig deute: „Ihr habt uns den Urlaub versaut“. Vielleicht hätten es die Streikenden ja auch auf die erste Seite geschafft, wenn sich da nicht unser heutiger bzw. gestriger Ex-Bundespräsident breitgemacht hätte. Da er aber zum Druckzeitpunkt noch nicht Ex war, wird das sicherlich morgen (also heute) DAS Thema sein – und es wird von dieser Seite her nicht als Titelthema auf den Streikenden herumgehackt. Dies versucht der Hausherr schon den Mitarbeitern zu überlassen, in dem er an besonderen Punkten (z.B. den Kantinen) Plakate aufhängt, auf denen man lesen kann:

„GdF-Kollegen – schade, dass Ihr nicht mehr dazu gehören wollt.“

oder

„GdF – Ihr überzieht.“

Denn was soll sonst der Sinn von solchen Plakaten sein?
In meinen Augen (und nicht nur in denen) wird damit versucht, einen Keil zwischen die verschiedenen Parteien der Angestellten und Arbeiter des Großmuftis zu treiben. Und allen, die sonst dazugehören – irgendwo am Rockzipfel hängen, aber halt nicht die Macht und Möglichkeit haben, die eigenen Wünsche und Forderungen so zu vertreten, wie es diese Handvoll tun – und so immerhin ein wenig Sand ins große Flughafengetriebe streuen.

Auf diesen Plakaten stellt man sich als große Familie dar – und das böse Kind will nicht so, wie es Mutter und Papa Aktionär am liebsten ist. Schlimm.
Einerseits heißt es immer wieder neue Passagierrekorde – aber andererseits wird dann nur ein Teil der Familie belohnt – aus welchen fadenscheinigen Gründen auch immer.

Ich will mich jetzt gar nicht zu den einzelnen Punkten der Forderungen der Verhandlungspartner äußern. Ich habe mich mit ihnen nicht beschäftigt und will deshalb keine Meinung dazu abgeben.
Aber ich kann sagen, dass ich den Streik durchaus gut finde. Eine – wenn auch kleine – Interessensgemeinschaft (Gewerkschaft) hat ein Ziel vor Augen und tritt dafür ein. Irgendwie glaube ich, dass dies wohl nur noch bei kleinen Gewerkschaften funktioniert. Bei den „Großen“ – wie Verdi oder Komba, die bei uns die Finger drin haben – wird sich in tausend Jahren nichts mehr tun, weil diese „Großen“ schon viel zu eng mit den Gesellschaften verknüpft sind. Es wird zwar mal gebellt, wenn es um neue Verhandlungen geht – aber letztendlich werden sie froh sein, wenn sie wieder das geworfene Stöckchen der Arbeitgeber mit Freuden und Schwanzwedeln apportieren können.  Wuff.

So seh ich den eigenen Tarifverhandlungen mit einem Schulterzucken zu – denn die Hoffnung ist seid Jahren weg. Auch wenn ich mich selber mal kurz einer Gewerkschaft angeschlossen hatte – doch nachdem der Verhandlungsführer dieser Gewerkschaft auf einer Betriebsversammlung den Arbeitnehmern durch die Blume sagte: Verlangt nicht zu viel! – seitdem ist das Thema Gewerkschaft für mich erledigt.

Von daher wünsche ich der GdF viel Erfolg. Auf dass sie mehr „Eier in der Hose“ haben als Verdi und Komba und Co.

Außerdem – sein wir doch mal ehrlich – braucht man von Frankfurt nach z.B. Stuttgart wirklich 10 oder mehr Flüge am Tag? Hallo?! Das schafft man mit dem Auto auch in gut zwei Stunden – gut, im Flugzeug vielleicht in 30 Minuten – doch davor noch einchecken und dann wieder auschecken… ?

Aber na ja – irgendwo müßen die Passagierrekorde ja herkommen.