Auf Wiedersehen

Mein Vater-vor-Ort und ich an einem Baum, mit Wald und ein Auto im Hintergrund.

Luft ist etwas feines. Blöd dann nur, wenn von all der uns umgebenden Luft nicht genug dahin kommt, wo wir sie brauchen. Und nur, weil genug Luft in eine Lunge kommt, bedeutet das noch nicht, dass sie es auch ins Blut schafft.
Tja.
Bei meinem Vater-vor-Ort, VvO, wie ich ihn hier immer abgekürzt habe, wenn ich ihn mal erwähnt habe, hat es die Luft, oder genauer der Sauerstoff, nicht wirklich ins Blut geschafft.

So ist er gestern also eingeschlafen.
Ob jetzt deswegen und was vielleicht noch mitgespielt hat, ist da nun egal.

Meine Mutter, meine Schwester und ich waren da, als die Werte an den Geräten immer weiter runtergingen.

Meine Mutter und meine Schwester waren nach der Benachrichtigung vom Krankenhaus noch rechtzeitig da, um seine letzten klaren Momente mitzubekommen. Da hat er nochmal klar geäußert, dass er jetzt gehen will und das sein Bruder + seine Schwester nicht informiert werden sollten.

Ich stand gerade in der Kantine, als der Anruf meiner Schwester kam. Dann habe ich erstmal meine Pause gemacht… aber dann konnte ich meine Zeit doch nicht fertig absitzen. Stattdessen bin ich eine Stunde früher heim – Plusstunden habe ich noch genug. Und von dort dann ab ins Krankenhaus.

Tja.

Eingeschlafen ist er dann um 17:20 Uhr.
Danach sind wir erstmal raus in ein Café am Marktplatz, wo mein Schwager + meine Nichte noch dazugekommen sind.
Um 19 Uhr konnten sie dann nochmal alle zu ihm, um sich zu verabschieden. Da waren dann auch sein Bruder + seine Schwester dabei, sowie seine Enkel. Ich habe mich dagegen schon nach Hause abgesetzt.

Das waren jetzt 50 Jahre, die ich ihn kennen durfte. Es hätten gerne noch einige mehr werden dürfen.

Nun habe ich gestern in meinem Communicator mal nachgesehen, aber tatsächlich kaum Fotos gefunden, wo nur wir zwei drauf sind.
Das einzige war dann das oben, welches meine Mutter gemacht hat, als wir zu dritt am 20. Mai nochmal oben am Hahnekamm zum Essen waren und ich dann mit ihm noch ein wenig gegangen bin, da meine Mutter nicht mehr so gut zu Fuß ist. Als wir vom kleinen Spaziergang zurückkamen, hat meine Mutter das festgehalten.
Eines habe ich noch, wo wir zu dritt drauf sind. Das war am 19. Juli 2023. Also genau vor 2 Jahren. :o(
(Da muss ich nur erstmal meine Mutter fragen, ob ich sie zeigen darf. Das Ergebnis seht ihr dann unten.)

Sonst sind die meisten Fotos von ihm mit den Enkeln oder Essen, wenn er mit meiner Mutter unterwegs war. Ich muss mal schauen, ob ich in meinen alten Fotoalben was mit uns beiden finde. *sfz*

Ich dachte erst, ich wollte viel mehr über ihn erzählen. Was wir so gemacht haben. Aber dazu habe ich jetzt im Moment doch keine Lust. Vielleicht ein anderes Mal.
Also beende ich diesen Beitrag jetzt hier.

Auf Wiedersehen, Papi.
Ich hab‘ dich lieb.

Meine Mutter, mein Vater-vor-Ort und ich auf einem Selfie vom Hahnekammturm. Im Hintergrund sind die Schornsteine des Staudingers zu erkennen und die Mainebene mit Häusern mit Blick Richtung Taunus.

Abschiede

Frauenskulptur im Grünen auf dem Südfriedhof in Leipzig

Letzte Woche, beim Telefonat mit meinen Eltern, hat mich meine Mutter gefragt, ob ich schon in die Zeitung des Tages reingeschaut hätte.
Hatte ich nicht.
So wurde ich von ihr quasi direkt darüber informiert, was ich dann am Tag drauf gesehen habe:

Im Teil mit den Todesanzeigen stand ein mir bekannter Name. Nämlich der eines Jugendfreundes.
Ich glaube, wir waren schon seit dem Kindergarten befreundet. Nach der Grundschule waren wir zwar auf verschiedenen Schulen, trotzdem haben wir da noch Sachen unternommen. Wir waren zusammen in der Tanzschule, und auch bei meinem ersten richtigen Konzert, nämlich bei Jennifer Rush.

Dann haben wir uns aus den Augen verloren, würde ich sagen. Nach meiner Bundeswehrzeit hatten wir eigentlich nichts mehr miteinander zu tun.

Vor 20 Jahren waren er und seine Frau dann wieder mit meiner Schwester bekannt, weil die beiden Damen im selben Zeitraum geworfen haben. Einmal war ich mit der ganzen Truppe mit bei einem Indoorspielplatz.

Dann haben sich die Damen irgendwie überworfen…
Ich weiß auch nicht, ob die jungen oder die alten Damen.

Letztes Jahr hatte ich noch die Todesanzeige seines Vaters gesehen.

Tja. Und nun seine.

Er war knapp drei Monate älter als ich. Nur.
Die Einschläge kommen also näher. Doch ich will meinen nächsten Geburtstag in Irland noch feiern.

Aber er ist ja nicht der erste Freund aus der Jugend oder später, der/die nun nicht mehr ist.

Über Werner hatte ich ja schon geschrieben, mehrmals. Dann hatte ich mal eine Freundin erwähnt, die in Amsterdam weiterbehandelt werden sollte. Daniela hat diese Behandlung noch gut 3 Monate geschafft, und dann ist sie zwei Tage vor ihrem 40.sten gestorben.
Daniela war eine Freundin aus meiner ersten Zeit bei der Confusion. Und auch wenn wir uns kaum noch gesehen haben, haben wir uns doch immerhin immer mal wieder geschrieben.

9.1.1971 - 31.10.2019Eine andere Freundin aus meiner Kinder- und Jugendzeit war Susanne.
Sie war zuerst die Freundin meiner Kindergartenflamme. ;o) Die war dann lange Jahre eine gute Freundin, in der Grundschule und der gemeinsamen Konfirmandenzeit. Susanne war ihre Freundin – später waren wir dann zusammen befreundet.
Susanne habe ich meine Zeit im Kinderchor zu verdanken. Da hatte sie mich mit hingenommen… und ich bin ewig geblieben.

Susanne war ein Jahr jünger als ich – und ihre Todesanzeige habe ich auch in der Zeitung gesehen. Das war 2019. Daniela war 2018, und Werner 2020.

Älter und jünger als ich.

Auch wenn ich mit dem Freund meiner Kindheit und Jugendtage nichts mehr zu tun hatte… wenn mich meine Firma lässt, würde ich trotzdem gerne zu seiner Trauerfeier gehen. Irgendwo hinten hinstellen.
Damit ich sagen kann:

Mach’s gut, Markus.

30.1.1970 - 14.1.2024

Schlaf wohl, kleine Maus.

Meine Katze Socke bearbeitet den Kratzbaum.

Ich muss Neuigkeiten zu meiner alten Katzendame vermelden.

Socke ist heute im Laufe des Tages, während ich bei der Arbeit war, eingeschlafen.

Jago - rot-getigert - und Socke - schwarz-weiß - auf zwei Kissen auf dem BalkonJetzt liegt sie noch auf dem Katzenkissen, dass ich gestern aus ihrem Karton genommen – da sie eh nicht mehr in die Kartons gegangen ist – und darum unter mein Bett gelegt habe, damit sie mir näher sein kann, wenn sie es denn will.
Heute Morgen lag sie auch da, hat aber keine große Reaktion auf die beiden Futternäpfchen gezeigt, die ich davor gestellt habe.
Doch zumindest hat sie noch gemauzt, als ich sie zum Abschied gestreichelt habe.

Und nun ist es für sie endlich vorbei.

16 Jahre hat sie zu Hause auf mich gewartet – und wenn ich nach der Arbeit heimkam, erstmal auf ihr Leckerli bestanden.

Meine Katze Socke riecht an einer Blume auf dem BalkonDas sie es überhaupt so lange noch geschafft hat, hat mich auch erstaunt. Doch bis auf die letzten 2-3 Tage hat sie immerhin noch etwas gefressen.
Gestern auch, als ich nach Hause kam. Da hat ihr auch mal wieder eine Suppe geschmeckt, die ich ihr hingestellt habe. Zwischenzeitlich war sie dafür nicht mehr zu begeistern. Gestern ging es dann mal wieder.
Aber das Maunzen, dass sie dann so von sich gab, war so anders, als das Maunzen von vor 2 Monaten…

Tatsächlich wäre ich morgen mit ihr und meiner Schwester zum Tierarzt gegangen… doch diesen Gang hat sie mir nun abgenommen.

Die letzten zwei Monate waren ein Hin und Her… Abs und Aufs gab es da. Aber wir – besser sie – hat so lange noch durchgehalten.
Und nun war der Zeitpunkt erreicht.

Meine Katze Socke auf dem großem Karton, in dem mein neuer Rechner geliefert wurde.

Meine Katze Socke liegt auf mir und ich schaue hinter ihrem Popo hervorIch hatte sie in den letzten Tagen immer mal wieder zu mir auf den Schoß geholt oder mich mit ihr noch ein wenig aufs Bett gelegt – und sie auf mich. Da war sie schon ziemlich schwach. Aber einfach liegen bleiben wollte sie dann doch nicht. Nein, dann schwankte sie lieber von mir herunter und wieder auf den Boden. Ihr Gang war inzwischen auch ganz schön unsicher, schwankend. Dann kam noch hinzu, dass sie jetzt wieder Ausfluss aus beiden Augen hatte.

Vor etwas mehr als 3 Wochen war ich mit ihr nochmal beim Tierarzt, weil sich eine Wunde geöffnet hatte. Die war am Tag drauf zwar schon wieder verschorft – außerdem war sie da noch richtig neugierig auf Erkundungstour… Meine Schwester hat sie dann tatsächlich im Praxisraum mal auf den Boden gesetzt und da hat sie sich umgesehen – und für eine ziemliche Erheiterung gesorgt.

Danke, mein Mäuschen, dass du mir so lange Gesellschaft geleistet hast. Ich denke ja, es hätte bessere Katzenpapas gegeben, aber wir sind dennoch zurecht gekommen.

Schlaf wohl, mein Mäuschen. Jetzt kannst du wieder richtig herumspringen und Vögel im Himmel jagen. 3 hast du ja in der Anfangszeit auf dem Balkon erwischt.

Du hast ein Platz in meinem Herzen. Genau wie Jago.

Lebe wohl, Socke.

Meine Katze Soche - schwarz-weiß - auf einer roten Zudecke

Eben noch da…

Jetzt mal ein ganz schnelles, leider nicht ganz so schmerzloses, Geschehen, wie die Kategorie, die ich dafür nun gewählt habe.

 

Eben noch da, und auf einmal fort…

Mein Kater Jago ist heute nachmittag ganz plötzlich verstorben.

 

Mach’s gut, mein kleiner Schnuffel-Kater.

:´-(

Dein Schnurren und Quietschen wird mir fehlen.
So leise jetzt hier…

 

 

5

Abschied

Heute war die Beisetzung meines Opas.

Deswegen möchte ich kurz zwei Sachen erzählen, die mir zu ihm in den letzten Tagen eingefallen sind:

Vorletzte Nacht habe ich geträumt. Wofür Nächte ja da sind. Es sei denn, man ist Tagträumer – aber ich schweife schon wieder ab. Also: Ich habe geträumt.
Und zwar war der Ort des Traumes wahrscheinlich meine erste Wohnung – zumindest hat sie mich daran erinnert. Meine eine Tante war da und ich habe mit ihr darüber diskutiert, warum Drachenechse demnächst das geplante Rollenspiel so organisiert, wie sie es tut.
Dabei war auch mein Opa, der dann auch seinen Kommentar dazu abgegeben hat. Und ich habe ihn gesehen: er sah viel jünger aus als lange, und er klang so wie immer…
Da bin ich aufgewacht, und habe mich gefreut, dass es ihm jetzt gut geht. Und das ich ihn immer bei mir haben werde.
Ich denke, dass wollte dieser Traum mir zeigen.

Und als zweites noch etwas, auf das ich heute auf der Fahrt zur Kirche nachgedacht habe:
Mein Opa war nie ein Kirchgänger. Sein Argument dafür, warum er nicht in die Kirche geht, war, dass sein Platz immer vom Pfarrer besetzt ist.
Und nun auf der Fahrt zur Kirche dachte ich mir, dass mein Opa aber dieses Mal in die Kirche muss, und er da nicht darum herumkommt.

Die Kirche und der Gottesdienst selbst war katholisch – und mir ist wieder klargeworden, wie froh ich bin, dass meine Mutter bei der Hochzeit mit meinem Vater-vor-Ort von Katholisch auf Evangelisch gewechselt ist. Und ich mit dazu. Denn irgendwie liegt mir das nicht.
Aber darum geht es jetzt ja nicht. Vielmehr geht es darum:

Nach dem Gottesdienst sind wir zum Friedhof gelaufen. Und dort in der Aussegnungshalle habe ich festgestellt, dass mein Opa in seiner Urne ja da steht. Ich hatte mich vielleicht etwas gewundert, wo er in der Kirche sein mochte… so war das auch geklärt. Er war die ganze Zeit in der Aussegnungshalle.

Und ich musste denken, was für ein Schlitzohr mein Opa doch ist. Sogar um seinen letzten Kirchbesuch hat er sich gedrückt. Und dieser Gedanke hat mich innerlich ziemlich erheitert.

Jetzt bleibt mir also nur „Lebe wohl.“ zu sagen.
Obwohl… nein, ich habe ja gerade vorhin gesagt, dass ich ihn immer bei mir haben werde. Also ist vielleicht ein „Bis bald.“ besser.