Abschiede

Frauenskulptur im Grünen auf dem Südfriedhof in Leipzig

Letzte Woche, beim Telefonat mit meinen Eltern, hat mich meine Mutter gefragt, ob ich schon in die Zeitung des Tages reingeschaut hätte.
Hatte ich nicht.
So wurde ich von ihr quasi direkt darüber informiert, was ich dann am Tag drauf gesehen habe:

Im Teil mit den Todesanzeigen stand ein mir bekannter Name. Nämlich der eines Jugendfreundes.
Ich glaube, wir waren schon seit dem Kindergarten befreundet. Nach der Grundschule waren wir zwar auf verschiedenen Schulen, trotzdem haben wir da noch Sachen unternommen. Wir waren zusammen in der Tanzschule, und auch bei meinem ersten richtigen Konzert, nämlich bei Jennifer Rush.

Dann haben wir uns aus den Augen verloren, würde ich sagen. Nach meiner Bundeswehrzeit hatten wir eigentlich nichts mehr miteinander zu tun.

Vor 20 Jahren waren er und seine Frau dann wieder mit meiner Schwester bekannt, weil die beiden Damen im selben Zeitraum geworfen haben. Einmal war ich mit der ganzen Truppe mit bei einem Indoorspielplatz.

Dann haben sich die Damen irgendwie überworfen…
Ich weiß auch nicht, ob die jungen oder die alten Damen.

Letztes Jahr hatte ich noch die Todesanzeige seines Vaters gesehen.

Tja. Und nun seine.

Er war knapp drei Monate älter als ich. Nur.
Die Einschläge kommen also näher. Doch ich will meinen nächsten Geburtstag in Irland noch feiern.

Aber er ist ja nicht der erste Freund aus der Jugend oder später, der/die nun nicht mehr ist.

Über Werner hatte ich ja schon geschrieben, mehrmals. Dann hatte ich mal eine Freundin erwähnt, die in Amsterdam weiterbehandelt werden sollte. Daniela hat diese Behandlung noch gut 3 Monate geschafft, und dann ist sie zwei Tage vor ihrem 40.sten gestorben.
Daniela war eine Freundin aus meiner ersten Zeit bei der Confusion. Und auch wenn wir uns kaum noch gesehen haben, haben wir uns doch immerhin immer mal wieder geschrieben.

9.1.1971 - 31.10.2019Eine andere Freundin aus meiner Kinder- und Jugendzeit war Susanne.
Sie war zuerst die Freundin meiner Kindergartenflamme. ;o) Die war dann lange Jahre eine gute Freundin, in der Grundschule und der gemeinsamen Konfirmandenzeit. Susanne war ihre Freundin – später waren wir dann zusammen befreundet.
Susanne habe ich meine Zeit im Kinderchor zu verdanken. Da hatte sie mich mit hingenommen… und ich bin ewig geblieben.

Susanne war ein Jahr jünger als ich – und ihre Todesanzeige habe ich auch in der Zeitung gesehen. Das war 2019. Daniela war 2018, und Werner 2020.

Älter und jünger als ich.

Auch wenn ich mit dem Freund meiner Kindheit und Jugendtage nichts mehr zu tun hatte… wenn mich meine Firma lässt, würde ich trotzdem gerne zu seiner Trauerfeier gehen. Irgendwo hinten hinstellen.
Damit ich sagen kann:

Mach’s gut, Markus.

30.1.1970 - 14.1.2024

Kommunikation ist manchmal schwierig

 

Was gibt’s Neues?

Das Übliche.

Dies – in etwa – war das Ergebnis meiner Frage, nachdem ich am Montag nach 2 Wochen Urlaub wieder in der Firma angetreten bin.

Nicht, dass ich etwas anderes erwartet habe. Was sollte sich auch Neues tun? Dass das offizielle Sperrgepäck-Leseverbot inzwischen wieder aufgehoben wurde? Das glaube ich nicht, Tim… um es mal so zu sagen.

Dazu bräuchte unser aktueller Fachbereichsleiter die nötige Einsicht. Die mensch bei einer reinen Pro-Firma / Contra-Menschenverstand-Einstellung vermissen wird.

Dennoch – mensch muss ja mal fragen. (Oder auch nicht wirklich – weil: Was soll sich schon ändern?)

Gut – ich habe dann am Tag 2 erfahren, dass es nochmal ‚ein Zückerchen‘ für ordnungsgemäß abgearbeitete Dienste geben wird. Immerhin.

Ich muss sagen, dass ich mich der ununterbrochenen Kommunikation mit meinen Kollegen ja auch selbst entziehe. Indem ich sage, dass auf meinen Communicator kein WhatsApp kommt. Dadurch bleibt mir viel erspart. Denn, ganz ehrlich: Ich will gar nicht mit all meinen Kollegen in der Informations- und Kommunikations-Pipeline stecken. Echt nicht. Ich suche mir meine Kommunikationspartner schon noch selbst aus.

Einer davon ist mein alter – jetzt ehemaliger – Zeitungslieferant. (Dazu kommt noch was.) Mit dem ich ja meine zweite Schulung für diesen Job hier rumgebracht habe. Und der ebenso Gatie ist.

Heute sitzen wir also mal wieder im Raum gegenüber. Und kurz, nachdem er heute Morgen in die Bahn eingestiegen war, fragte er, was ich von der Sache mit einem unsere Einsatzleiter halte. Von der ich, trotz 3 Tage arbeiten im gleichen Raum mit mehreren Kollegen, bis dahin nichts – NICHTS!!! – gehört hatte.

Nämlich, dass dieser Einsatzleiter unserer Abteilung am Pfingstmontag mit seinem Motorrad direkt hier am Flughafen nach Dienst einen Unfall hatte – und verstorben ist.

o.O

Echt jetzt?

Ich arbeite jetzt schon 3 Tage von 5:30 – 14:30 Uhr, und erst am 4. Tag erfahre ich das mal so… nebenher?

Ich kannte das bisher nur von oben, wenn wir mal wieder in die Fluggastkontrolle durften.

„Gibt’s was Neues? Hat sich was geändert?“ – „Alles wie gehabt.“

Dabei hatten sich manche Prozeduren schon mehrmals geändert, seitdem wir das letzte Mal oben waren.

Doch das ein Todesfall in der Vorgesetztenriege nach einer Woche schon nichts Neues mehr ist, und damit nicht mal mehr erwähnenswert…

Dabei war er noch einer der erträglicheren Einsatzleiter.

Das macht mich schon ein wenig sprachlos.

Laut meinem Ex-Zeitungslieferanten ging es da wohl letzte Woche in der/den WhatsApp-Gruppe(n) hoch her, deswegen.

Vielleicht war es deshalb nichts mehr Neues? Weil dieses Thema in dieser Woche so breitgetreten und zerredet wurde… dass es einfach jeder wissen musste.

Äh… nein?!

Nachdem ich gerade nochmal Berichte dazu gesucht habe: Ich glaube, ich habe von diesem Unfall gehört. Aber nicht im Traum daran gedacht, dass es jemand war, den ich kannte. Oder nur ein klitzekleines bisschen daran gedacht.

Das tut mir echt leid um ihn. Irgendwie unfassbar.

Doch ändert es nichts an meiner Einstellung gegenüber WhatsApp.

Ich möchte auch weiterhin nicht mit all meinen Kollegen in einer Informations- und Kommunikations-Pipeline stecken.

Doch an der Kommunikation an sich – und was neu ist und was nicht…
da müssen wir wohl noch mal ein wenig dran arbeiten, fürchte ich.