Letzte Wanderung

Urne mit Kranz und Foto in der Aussegnungshalle

Heute war es soweit.
Mein VvO, mein Vater-vor-Ort, ist heute seine letzte Wanderung gegangen. Genauer gesagt hat ihn meine Schwester getragen.

In der Vorbereitung war die Frage, wie viele Leute wohl kommen würden? Mit wie vielen Leuten wäre wohl beim anschließenden Trauerkaffee zu rechnen?
Nun hat mein VvO ja jahrzehntelang den Vorsitz der Hanauer Spessart-Touristen geführt. Den Wanderverein, der viel von unserer Zeit geprägt hat. Wanderungen, Vortouren, Wege markieren, Mehrtagesfahrten…
Doch wie es heutzutage so ist: Es kam kein frisches Blut mehr nach. Die Jüngsten im Verein waren meine Nichte und Neffen. Dann meine Schwester mit Mann – dann ich. Und ich bin, seit ich beim Flughafen bin und auch schon vorher in Rottweil, nur noch in Ausnahmen mitgegangen. Wenn es halt von meiner Arbeitszeit gepasst hat.
So ist der Verein zum Jahresende 2023 aufgelöst worden, nach 144 Jahren.
Was die alten Herrschaften trotzdem nicht davon abgehalten hat, einmal im Monat unterwegs gewesen zu sein.
So waren also einige der Senioren des Vereins zur Beerdigung dabei. So wie sonst mein VvO und meine Mutter zu Beerdigungen von Vereinsmitgliedern sind.

Der größte andere Teil war dann Familie.
So sind tatsächlich vier von fünf noch lebenden Geschwistern meiner Mutter gekommen. Das war stellenweise überraschend, doch gerne gesehen. So haben sich Geschwister seit langem mal wieder gesehen und miteinander geredet, die sich teilweise nicht mehr so grün waren/sind. Doch vielleicht ändert sich das ja nun wieder?
Und natürlich die Schwester und der Bruder samt Ehepartner meines VvO.

Und dann gab es noch ein paar Gäste, die in keine der beiden Kategorien „Verein oder Familie“ fielen.

Urne mit Kranz

Apropos fielen: Mitten im Aussegnungsgottesdienst, nach dem ersten Lied, während der Pfarrer am Reden war, ist hinter uns eine der Gäste umgefallen auf dem Stuhl.
Zum Glück waren zwei Frauen mit Ahnung da – meine Schwester und meine Cousine. Meine Schwester ist zwar Tierarzthelferin, doch in der Lehre war ja auch etwas Humanmedizin dabei, wenn ich nicht irre. Und meine Cousine hat das auf Humanmedizin-Seite gemacht, jahrelang. Seit ein paar Jahren hat sie zwar den Job gewechselt, doch da hat sie immer noch etwas mit Medizin zu tun, aber mehr entfernt. Die hat sich dann um sie gekümmert, bis der Rettungswagen da war und bis sie zum Krankenhaus gestartet sind. Da waren wir schon hinten ab durch die Mitte.

Der Pfarrer hat seinen Job gut gemacht. Und er kann singen. Ein wichtiger Punkt für einen Pfarrer, irgendwie.
Wir wollten ja eine fröhliche Trauerfeier, deswegen kam sein Versprecher mit dem Familiennamen auch nicht schlecht an. Hat gepasst. ;o)

Meine Schwester hat die Urne dann zum Grab getragen, auf der letzten Wanderung. Und das Wetter war gut und die Sonne hat geschienen.
Ein guter Abschluss.

Danach sind wir zum großen Teil nochmal zum Trauerkaffee gegangen. Ein Teil der Geschwister hat sich direkt wieder nach Hause auf den Weg gemacht, aber ein Teil ist auch geblieben. Das war auch mal wieder schön, sie alle gesehen zu haben. Auch wenn wir das jetzt nicht immer auf Beerdigungen machen sollten.

Nach dem Kaffee sind wir, die engste Familie mit Bruder und Schwester und Co, nochmal zum Grab gegangen. Da war dann bereits alles erledigt. Kleine Urnengräber sind halt schnell wieder verfüllt.

Ich hoffe, der Platz gefällt dir, Papi.

Grab mit Kranz

Irgendwann in der Zukunft werden wir dann zusammen nach einem Grabstein schauen. Doch dafür lassen wir uns noch etwas Zeit.

Zumindest bis hierher haben wir es schon mal geschafft.

Grab mit Kränzen am Boden

Erledigungen

Baum auf Friedhof. Dahinter drei Gräber mit Grabsteinen und ein gepflasterter Weg, und dann weitere Gräber und Bäume.

Nun ist einiges zu tun und zu organisieren.
Am Montag waren wir jetzt das erste Mal beim Bestatter. Sowohl meine Schwester, als auch ich haben unserer Mutter dabei Gesellschaft geleistet. Außerdem sehen 4 oder gar 6 Augen mehr als zwei. Und mit den Ohren ist es das genauso.

In der Sache ziehen wir alle am selben Strang. Ich bin auch nicht ganz so aktiv wie meine Schwester. Doch wenn sie vorprescht, habe ich da auch nichts dagegen.
Sie hatte u.a. den ersten Kontakt zum Bestatter aufgenommen + den Termin ausgemacht. Auch hat sie versucht, unseren Wunschpfarrer a.D. zu bekommen, doch der ist leider im Urlaub zu diesem Zeitpunkt.

Ich habe zumindest mal einen Teil der Verwandtschaft in Ramsthal informiert. Sonst bin ich mehr dabei, sozusagen.

Am ersten Termin hat meine Schwester auch direkt gefragt, ob Briefe geschrieben werden könnten, die vor der Verbrennung noch in den Sarg können? Und auch, ob auch jemand von uns die Urne tragen könnte, statt einem Friedhofsmitarbeiter?

Das wurde beides bejaht – und jetzt bei der Aussuche des Baumes von der Dame vom Friedhof auch nochmal vorgeschlagen.
Also, das mit dem Tragen der Urne.
Wer das dann macht, das sehen wir dann noch.

Wir haben am ersten Termin über die Traueranzeige entschieden, sowie natürlich über die Urne. Und den Termin und wie überhaupt.
Zwei Tage später sind wir nochmal vorbei, um die geschriebenen Briefe abzugeben + die Sterbeurkunden abzuholen. Anschließend sind wir zu dritt zur Versicherung, damit meine Mutter klären konnte, wie sie am besten in Zukunft Unterlagen einreichen kann.

Dieses Gespräch verlief sehr positiv und so konnte sie die momentan gesammelten Sachen direkt abgeben. Ziemlich unkompliziert. Und für die Zukunft macht sie dann wahrscheinlich einen kleinen Ausflug in die Stadt für weitere Abgaben.

Am Tag drauf ging es auf den Friedhof, um den Baum für das Baumgrab auszusuchen.
Auch hier war die Dame sehr freundlich, die das mit uns gemacht hat. Und ich habe (mal wieder) Werbung für Flora Incognita gemacht, da damit auch Bäume erkennbar sind und ihr das direkt vorgeführt.
Wir haben uns dann für einen jungen Baum nah am Weg entschieden.

Anschließend ging es noch zum Floristen, um dort eine Blumenauswahl fürs Gesteck zu treffen.
Auch hier waren wir alle auf derselben Wellenlänge.

Nach diesen beiden Terminen sind wir auch mal nicht in ein Café wie die letzten Tage immer. Denn es war noch Vormittag. So haben wir zwar nochmal beim Wunschcafé für den Termin vorbeigeschaut, doch an dem Wochentag hatte dieses Café zu. Doch meine Mutter konnte das mit meinen Neffen heute klären.

Was sich aber bei den verschiedenen Terminen herauskristallisiert hat ist, das meine Mutter, meine Schwester, mein Schwager + ich dann im September für ein paar Tage Richtung Borken fahren.
Meiner Schwester ist eine Ferienwohnung in der Ecke untergekommen, wo sie sich dann dachte, mit meiner Mutter hinzufahren. Und da ich zu diesem Zeitpunkt auch gerade Urlaub haben werde + nichts vor, habe ich mich mal drangehängt.
Warum nicht. Bevor ich nur die ganze Zeit zu Hause rumsitze. Der letzte gemeinsame Familienurlaub ist zwar schon lange her – und ich war dann auch mal froh, nicht mehr mit ihr fahren zu „müssen“. Doch das nun kann ich mir ganz gut vorstellen.
Bin mal gespannt.

Doch bis dahin kommt noch ’n bissl was. :o/

Traueranzeige

Anzeige im Hanauer Anzeiger vom 26.07.2025