Freuden der Öffis

Ein Bahnsteig in der Nacht Auf der Anzeige steht RE59 04:23 Uhr über Maintal Ost - Frankfurt Ost - Frankfurt Süd - F-Stadion zum FFM Flughafen Regionalbahnhof weiter angeschrieben 04:54 Uhr RB 51 Frankfurt (M) Hbf und 04:17 Uhr (04:57 Uhr) IC 60471/471 Zürich HB / Ankunft Am Bahnsteig steht der Zug nach Zürich.

Ursprünglich dachte ich ja nur an die Bahn. Doch gestern hat sich auch der Bus für einen Punkt qualifiziert, so dass ich den Beitrag nun einfach mal auf die Öffentlichen erweitere.
Der Grundgedanke war mal wieder die Freude der Pünktlichkeit der Bahn. Oder vielmehr der Wunsch nach derselben. ;o)

Vor ein paar Tagen bin ich mit der Verbindung um 04:23 Uhr gefahren. Ein Regional-EXPRESS.
Es sah alles super aus: Der Zug stand tatsächlich bereits locker 10 Minuten vor der Fahrt am Bahnsteig. Yay.
Nicht wie so manche anderen Male, wenn um 04:23 Uhr noch nichts von ihm am Horizont zu sehen ist. (Er beginnt in Hanau.)

Oder wie letzte Woche für die 03:46 Uhr S-Bahn. Sie hat in der Abstellung schon in unsere Richtung geleuchtet. Ein gutes Zeichen. Und dann kommt auf einmal 5 Minuten vor der geplanten Abfahrt die Durchsage „Fällt aus wegen Baustelle.“. Die Begeisterung am Gleis hielt sich in Grenzen. So bin ich halt flugs wieder zurück zu Flip und nach Neu-Isenburg gefahren. Seltsamerweise ist die Bahn tatsächlich noch eingefahren, wie ich auf dem Weg zu Flip gesehen habe. Doch ist sie wirklich gefahren? Und wenn ja wie weit?
Wer weiß. Ich zumindest nicht.

GIF von der Skyline von Frankfurt bei anbrechender Dunkelheit Im Vodergrund sind immer wieder Brückenpfeiler zu sehen und es wieder holt sich immer wieder.Doch ich wollte ja vom 04:23 Uhr-Express-Erlebnis berichten.
Also: Bahn da. Fährt pünktlich los.
Und fängt an zu zockeln. Und stehen zu bleiben. Und zu schleichen.
So hat sie bis zum ersten Halt – normalerweise etwa 5-6 Minuten – eine Verspätung von gut 30 Minuten geschafft.
Das freut meinen Magen + Blutdruck doch bestimmt. Ich spür das…

Ein paar Tage später dann mit der S-Bahn.
Sie steht schon da, als ich die Treppe zum Bahnsteig hochgehe. Auch da locker 10-15 Minuten vor der Abfahrt. Theoretisch also mehr als genug Zeit, noch einen eventuell fehlenden Wagen anzuhängen.
Wann wird er angehängt? Pünktlich zur Abfahrtszeit. Und schon fahren wir 5 Minuten später. *Augen verdreh*

Taschenuhr an einer KetteDurch diese ganzen Bahnerlebnisse schon fast traumatisiert, war ich der Meinung, das Busse ja immer fahren. Weswegen ich gestern denke, dass ich mal die Verbindung nehme… die dann natürlich nicht auftaucht.
Super.
Und der Nachfolgebus ist dann wieder proppenvoll.
Habe ich heute schon mit den Augen gerollt?

Doch es gibt (und gab) ja auch andere Erlebnisse in der Bahn. Gestern früh ist in Frankfurt einer nach Geld fragend durch den Zug gelaufen.
Was wäre wohl passiert, wenn Kontrolleure oder Bahn-Sicherheitsdienst im Wagen gewesen wären? Ich kann und konnte mir noch nie vorstellen, dass Leute, die nach Geld fragen vorher Geld für Fahrscheine ausgegeben haben.

Vor Ewigkeiten, in meiner Flughafenanfangszeit, also so vor 19 Jahren, gab es immer mal wieder Gruppen von Musikern, die von einer Stadion zur anderen gespielt haben. So Trallala Hopsasa. Einsteigen. Spielen. Aussteigen.
An die musste ich bei dem Geld-Nachfrager denken. Denn da habe ich schon Ewigkeiten keine mehr gesehen. Und vor allem gehört. (Und ich vermisse sie auch nicht.)
Auch bei denen konnte ich mir nie vorstellen, dass sie Fahrscheine gekauft haben. Doch vielleicht irre ich mich da ja auch.
Zumindest die Verspätungen sind eindeutiger. Hoffentlich hat’s heute keine auf meinem Weg ins Wochenende. Obwohl , da sehe ich es lockerer. Hauptsache, ich komme nach Hause.
(Und das kam ich pünktlich. :oD)

Feuer vor schwarzem Hintergrund

Kaltschnäuzigkeit

Vor einiger Zeit gab es ja den Fall, dass ein Mann in einem Sparkassenvorraum lag und gestorben ist, weil Menschen einfach über ihn drübergestiegen sind, um an den Automaten zu kommen und dann wieder zu gehen, ohne sich zu kümmern.

Wie wäre das denn bei mir? Wie würde ich mich verhalten?

Ich denke, die meisten Menschen denken von sich nur das Beste. Wie schlau mensch ist. Wie sozial… mitfühlend.
Na gut, das letzte vielleicht nicht mehr so.

Ich denke, vor 34-35 Jahren war ich das noch mehr als jetzt.

Während meiner Ausbildungszeit habe ich auf dem Weg morgens zur Arbeit auf dem Weg jemanden liegen sehen. Und ich habe mich gekümmert. Ich weiß nicht mehr genau, was + wie, aber zumindest angesprochen habe ich ihn. Und eine stabile Seitenlage versucht?

Das war nicht weit weg von meinem Zuhause – und kurze Zeit später habe ich – glaube ich mich zu erinnern – gehört, dass der Mann verstorben ist.

Heute?

Ich habe nun bereits mehrmals morgens (vor 4 Uhr) am Bahnhof Personen auf dem Bahnsteig liegen sehen.
Habe ich sie angesprochen und mich gekümmert?
Tatsächlich… Nein.

Im besten Fall schläft die entsprechende Person nur. Im schlechteren guten Fall schläft sie, ist aber betrunken. Oder möglicherweise anders berauscht. Im schlechtesten Fall geht es ihr wirklich nicht gut… und ich sollte mich kümmern. Was mensch so beigebracht bekommen wurde, damals. Bis zu einem möglichen Notruf und so lange Warten, bis Hilfe da ist.

In der Zwischenzeit ist die Bahn wohl abgefahren. Und ich bin nicht mehr in der Lage, pünktlich bei der Arbeit zu sein.

Inwieweit würde es meine Firma wohl Gutfinden, dass ich wg. Hilfeleistung zu spät zur Arbeit kam?
Wahrscheinlich würde sie diesen Grund als gerechtfertigt akzeptieren, nach dem Gespräch über das Wieso.
(Macht meine Firma ja gerne, Gespräche führen, wenn sich um Minuten wegen der Bahn verspätet wurde. Einmal kam ich 1½ Stunden zu spät, weil ich in eine Autobahnvollsperrung geraten bin. Da ging NICHTS mehr. Und ich war noch nicht mal ganz auf die Autobahn aufgefahren…
Doch wegen den 1½ Stunden musste ich nicht zu einem Gespräch. Vielleicht waren sie froh, dass ich überhaupt noch aufgetaucht bin?
Doch ich bin wieder abgeschweift.)

Was hat sich bei bzw. IN mir geändert, dass ich nun eher einen Bogen mache, statt evtl. helfen (zu müssen)?

Ich denke, ich bin zynischer geworden, kaltschnäuziger.

Es wäre (hoffentlich) wohl etwas anderes, würde ich sehen, wenn jemand gerade stürzt, und diese Person auf mich nicht betrunken wirkt. Ansonsten wird jetzt alles bei mir unter „Suff“ eingeordnet, und da dieser Zustand für mich so weit weg ist, ist für mich das Unterstützen dieses Zustands eher abwegig. Deswegen mache ich nun lieber einen Bogen um eine morgens am Boden liegende Person, die nicht in einen Schlafsack gehüllt ist.

Tut mir leid. Ich denke, da bin ich (auch) schuldig im Sinne der Anklage. :o/

Irgendwie… traurig?