Und mal wieder was mit Theater

Eintrittskarte zu Kunigunde darf nicht sterben! Zu sehen ist nur der Schriftzug des Titels auf grünem Untergrund, sowie Datum, Beginn und Spielort - und der Platz. Datum 08.11.24 Beginn 19:30 Uhr Pfarrheim Ramsthal Platz 97

Letzten Freitag habe ich seit über einem Jahr mal wieder einen Ausflug ins Frankenland gemacht. Denn ich musste da Verwandtschaft besuchen, aus Theatergründen.
Sozusagen. ;o)

Das erste Mal hatte mich meine GST vor bald zwei Jahren nach Informationen zum Thema Theater gefragt. Wie eine Gruppe da an Theaterstücke kommt und so. Denn eine Freundin von ihr wollte die Theatergruppe des Dorfes gerne wiederbeleben, die nach Corona und dem Tod des alten Leiters zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden war.

Ich habe versucht, die an mich gerichteten Fragen nach bestem Gewissen zu beantworten. Sich mal mit der Freundin zusammensetzen hat zwar nicht geklappt, wie wir Socke beerdigt haben, da sie da nicht konnte. Aber ich habe meiner GST so viel als möglich zu beantworten versucht.
Das war letztes Jahr zu Pfingsten. Über den Besuch und die Beerdigung habe ich mich ja HIER ausgelassen – wenn das nochmal jemand lesen möchte.

Zum damaligen Zeitpunkt war also klar, dass ihre Freundin die Theatergruppe wiederbeleben wollte, und dass sie gerne meine GST an ihrer Seite haben wollte. Wovon die erstmal gar nichts hielt. Aber wie das so ist… Ich glaube gegen Ende letztens Jahres war sie dann weichgekocht. :o)
So hat meine GST dann mit die Regie übernommen, zusammen mit der Freundin.

Zwischendurch hatte sie nochmal ein paar Fragen an mich. Auch hier habe ich versucht, nützliche Antworten zu geben. Außerdem habe ich ihr ein paar kleine Theaterübungen geschrieben + ein Buch aus den Tiefen meiner Bücherstapel, in der Hoffnung, dass sie etwas davon nutzen kann.

Tja, und letzten Freitag war nun die Premiere.
Und da musste ich natürlich hin.

Einquartiert zum Übernachten hatte ich mich bei einem anderen Onkel samt Frau. Dort habe ich schon einige Nächte verbracht und mich durch einige Zimmer des Hauses geschlafen. :o)
Erst bin ich aber bei meiner GST aufgeschlagen, bevor sie zum Theater musste. Dann ans andere Ende des Dorfes… und als es Zeit war, sind wir alle gemütlich ins Dorf gegangen. Die Aufführung fand im Pfarrhaus statt. Und sie war voll. Alle Karten für die 4 geplanten Aufführungen waren bereits nach 2 Wochenenden Vorverkauf weg. Nicht schlecht.
Das habe ich auch von meinem Onkel gehört, dass das wohl immer der Fall war. So eine kulturelle Veranstaltung im Dorf ist wohl doch mal was anderes. Und im Publikum waren alle Altersklassen vertreten. So von 20 – 70 Jahre, grob geschätzt. Und es kamen nicht nur Leute aus dem Dorf , sondern wohl auch von den Dörfern aus der Umgegend.
Das Ergebnis war gut. Es hat allen AUF der Bühne und davor Spaß gemacht. Und das ist das Wichtigste, wie ich finde. Ich habe dann tatsächlich in der zweiten Pause ein paar Notizen auf meinem Communicator festgehalten, was mir so aufgefallen ist. Da ich wusste, dass meine GST gerne Rückmeldung bekommen wollte. Letztendlich war es auch gar nicht so viel. Alle haben gute Arbeit geleistet. Und am Trippeln kann gearbeitet werden. Es ist halt nicht leicht für manche, die das erste Mal überhaupt auf einer Theaterbühne stehen, nichts zu tun und einfach nur zu stehen. Und das war auch der einzige Anhaltspunkt, dass das erste Mal auf der Bühne gestanden wird. Das Spielen an sich war klasse. Und wenn jemand vor Lachen kurz aus der Rollen fällt, steigert das eigentlich nur die Gesamtfreude an sich. Denn vor der Bühne wird mitbekommen, wieviel Spaß AUF der Bühne herrscht. So what.

Auch hat sich die Regie nicht sklavisch an Regieanweisungen gehalten, was ich ebenfalls gut finde. So haben wir (mein Cousin + ich) bei einer Steigerung beide gedacht, dass dem Fön nun ein Laubbläser gegenübergestellt wird… dann kam derjenige mit einem großen Ventilator um die Ecke. :oD
Am nächsten Tag haben wir erfahren, dass tatsächlich ein Laubbläser im Heft stand – den fanden sie aber zu laut. Gut gemacht.

Nach der Aufführung war noch allgemeines gemütliches Beisammensein. Eine Gruppe hat sich dabei anscheinend auch auf der Bühne festgesessen. Wie das so ist. :o)

Morgen und übermorgen sind die letzten Aufführungen. Danach werde ich irgendwann mal nachfragen, wie die restlichen Aufführungen noch so gelaufen sind.

Natürlich hatte ich für meine GST ein kleines Premierengeschenk dabei. Das fand sie total lieb + auch die Gruppe fand das wohl gut. Und nun mal sehen, wie dieses Projekt weitergeht. Und ob mit GST, oder vielleicht auch nicht.

Aber für ein erstes Projekt zur Wiederbelebung haben sie alles richtig gemacht, wie ich finde. Wobei ich da ja nicht das Maß der Dinge bin. Aber doch vielleicht etwas kritischer als andere Zuschauenden. Da machen sich meine Theaterjahre doch bemerkbar. ;o)

In einer Fachwerkwand befindet sich ein großer rötlich-brauner Vorhang. Davor sind die Stühle bereits mit Zuschauern besetzt - und über dem Vorhang steht in der Mitte - Fidelia Verein Ramsthal.

Kaltschnäuzigkeit

Vor einiger Zeit gab es ja den Fall, dass ein Mann in einem Sparkassenvorraum lag und gestorben ist, weil Menschen einfach über ihn drübergestiegen sind, um an den Automaten zu kommen und dann wieder zu gehen, ohne sich zu kümmern.

Wie wäre das denn bei mir? Wie würde ich mich verhalten?

Ich denke, die meisten Menschen denken von sich nur das Beste. Wie schlau mensch ist. Wie sozial… mitfühlend.
Na gut, das letzte vielleicht nicht mehr so.

Ich denke, vor 34-35 Jahren war ich das noch mehr als jetzt.

Während meiner Ausbildungszeit habe ich auf dem Weg morgens zur Arbeit auf dem Weg jemanden liegen sehen. Und ich habe mich gekümmert. Ich weiß nicht mehr genau, was + wie, aber zumindest angesprochen habe ich ihn. Und eine stabile Seitenlage versucht?

Das war nicht weit weg von meinem Zuhause – und kurze Zeit später habe ich – glaube ich mich zu erinnern – gehört, dass der Mann verstorben ist.

Heute?

Ich habe nun bereits mehrmals morgens (vor 4 Uhr) am Bahnhof Personen auf dem Bahnsteig liegen sehen.
Habe ich sie angesprochen und mich gekümmert?
Tatsächlich… Nein.

Im besten Fall schläft die entsprechende Person nur. Im schlechteren guten Fall schläft sie, ist aber betrunken. Oder möglicherweise anders berauscht. Im schlechtesten Fall geht es ihr wirklich nicht gut… und ich sollte mich kümmern. Was mensch so beigebracht bekommen wurde, damals. Bis zu einem möglichen Notruf und so lange Warten, bis Hilfe da ist.

In der Zwischenzeit ist die Bahn wohl abgefahren. Und ich bin nicht mehr in der Lage, pünktlich bei der Arbeit zu sein.

Inwieweit würde es meine Firma wohl Gutfinden, dass ich wg. Hilfeleistung zu spät zur Arbeit kam?
Wahrscheinlich würde sie diesen Grund als gerechtfertigt akzeptieren, nach dem Gespräch über das Wieso.
(Macht meine Firma ja gerne, Gespräche führen, wenn sich um Minuten wegen der Bahn verspätet wurde. Einmal kam ich 1½ Stunden zu spät, weil ich in eine Autobahnvollsperrung geraten bin. Da ging NICHTS mehr. Und ich war noch nicht mal ganz auf die Autobahn aufgefahren…
Doch wegen den 1½ Stunden musste ich nicht zu einem Gespräch. Vielleicht waren sie froh, dass ich überhaupt noch aufgetaucht bin?
Doch ich bin wieder abgeschweift.)

Was hat sich bei bzw. IN mir geändert, dass ich nun eher einen Bogen mache, statt evtl. helfen (zu müssen)?

Ich denke, ich bin zynischer geworden, kaltschnäuziger.

Es wäre (hoffentlich) wohl etwas anderes, würde ich sehen, wenn jemand gerade stürzt, und diese Person auf mich nicht betrunken wirkt. Ansonsten wird jetzt alles bei mir unter „Suff“ eingeordnet, und da dieser Zustand für mich so weit weg ist, ist für mich das Unterstützen dieses Zustands eher abwegig. Deswegen mache ich nun lieber einen Bogen um eine morgens am Boden liegende Person, die nicht in einen Schlafsack gehüllt ist.

Tut mir leid. Ich denke, da bin ich (auch) schuldig im Sinne der Anklage. :o/

Irgendwie… traurig?