51 Punkte – Bestanden

Vor allem das letzte Wort war, worauf ich gehofft hatte.

„Bestanden.“

Ja!

Puh.

Blogbild Einladung Rezi 2016.jpg

Heute war es mal wieder soweit.
Ich hatte ja schon mal HIER vor gut 3 Jahren geschrieben, dass wir nun alle 3 Jahre unsere Fähigkeit, Röntgenbilder richtig zu erkennen, unter Beweis stellen müssen. Alle 3 Jahre müssen wir „rezertifiziert“ werden. Einen Dank für diese Maßnahme geht an die EU.
Besten Dank.
Wirklich.
*geheimer Ironiemodus aus*

Da ich in der Reisegepäckkontrolle arbeite, habe ich ja nichts anderes zu tun, als Röntgenbilder auszuwerten. Allerdings besteht zwischen Reise- und Handgepäck ein kleiner Unterschied:
Während uns im Reisegepäck weder Flüssigkeiten, noch Werkzeug oder Messer interessieren – es sei denn, sie sind verbotene Waffen wie z.B. ein Butterflymesser oder ein Faustkampfdolch – ist davon im Handgepäck das meiste nicht erlaubt.

Und die Rezertifizierung wird nun mal nach dem Handgepäckstandard durchgeführt.

Entsprechend müssen wir Reisegepäckler davor erst mal umschalten, gedanklich. Und falls wir es dann doch nicht schaffen sollten, hat uns das Reisegepäck erst mal für einige Zeit gesehen, und wir „dürfen“ bis zur Nachprüfung hoch in die Fluggastkontrolle, zum Einweisen der Passagiere und Boxen schieben. Und sich oben mit OTLs der Fluggastkontrolle und vielleicht auch noch Fluggästen rumärgern.

Heute hatte ich also wieder „Rezi“.

Und ich habe sie mit 51 Punkten von 60 möglichen geschafft. Das bedeutet, ich habe 9 Gegenstände von 60 falsch zugeordnet und verbotener gemacht als sie sind. Anders herum wäre ich nämlich durchgefallen. Da gehe ich lieber auf Nummer sicher. Da ich nicht sicher weiß, ob z.B. Bits, Zündkerzen oder ein Klebebandabroller als Werkzeug – und damit als verboten im Handgepäck –gilt oder nicht. Besser mal verbieten, bis zu den 36 Mindestpunkten ist ja etwas Spiel.

Zum Glück habe ich dieses Spiel nicht ganz ausgereizt. Noch über 50 Punkte ist für mich voll ausreichend. „Bestanden“ ist das, was zählt.
Jetzt habe ich also wieder Ruhe bis 2019.

Was für ein Glück.

Dann kann ich mich 2019 wieder nervös machen lassen. Und bis zur Rente muss ich ja nur – wenn ich bis dahin hier bleibe – mich noch 6 – 7 Mal rezertifizieren.

Ach du Schreck.

:-o

Streik… und Gewerkschaften

Es wird gestreikt – und die Stimmungswellen schlagen hoch.

Am Flughafen Frankfurt hat – im übertragenen Sinne – eine Handvoll Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt, um dem großen Hausherren zu sagen „So nicht!“
Die Zeitung mit den vier Buchsteben scheint eher auf der Seite der Aktionäre zu stehen, wenn ich die Schlagzeile auf Seite 3 richtig deute: „Ihr habt uns den Urlaub versaut“. Vielleicht hätten es die Streikenden ja auch auf die erste Seite geschafft, wenn sich da nicht unser heutiger bzw. gestriger Ex-Bundespräsident breitgemacht hätte. Da er aber zum Druckzeitpunkt noch nicht Ex war, wird das sicherlich morgen (also heute) DAS Thema sein – und es wird von dieser Seite her nicht als Titelthema auf den Streikenden herumgehackt. Dies versucht der Hausherr schon den Mitarbeitern zu überlassen, in dem er an besonderen Punkten (z.B. den Kantinen) Plakate aufhängt, auf denen man lesen kann:

„GdF-Kollegen – schade, dass Ihr nicht mehr dazu gehören wollt.“

oder

„GdF – Ihr überzieht.“

Denn was soll sonst der Sinn von solchen Plakaten sein?
In meinen Augen (und nicht nur in denen) wird damit versucht, einen Keil zwischen die verschiedenen Parteien der Angestellten und Arbeiter des Großmuftis zu treiben. Und allen, die sonst dazugehören – irgendwo am Rockzipfel hängen, aber halt nicht die Macht und Möglichkeit haben, die eigenen Wünsche und Forderungen so zu vertreten, wie es diese Handvoll tun – und so immerhin ein wenig Sand ins große Flughafengetriebe streuen.

Auf diesen Plakaten stellt man sich als große Familie dar – und das böse Kind will nicht so, wie es Mutter und Papa Aktionär am liebsten ist. Schlimm.
Einerseits heißt es immer wieder neue Passagierrekorde – aber andererseits wird dann nur ein Teil der Familie belohnt – aus welchen fadenscheinigen Gründen auch immer.

Ich will mich jetzt gar nicht zu den einzelnen Punkten der Forderungen der Verhandlungspartner äußern. Ich habe mich mit ihnen nicht beschäftigt und will deshalb keine Meinung dazu abgeben.
Aber ich kann sagen, dass ich den Streik durchaus gut finde. Eine – wenn auch kleine – Interessensgemeinschaft (Gewerkschaft) hat ein Ziel vor Augen und tritt dafür ein. Irgendwie glaube ich, dass dies wohl nur noch bei kleinen Gewerkschaften funktioniert. Bei den „Großen“ – wie Verdi oder Komba, die bei uns die Finger drin haben – wird sich in tausend Jahren nichts mehr tun, weil diese „Großen“ schon viel zu eng mit den Gesellschaften verknüpft sind. Es wird zwar mal gebellt, wenn es um neue Verhandlungen geht – aber letztendlich werden sie froh sein, wenn sie wieder das geworfene Stöckchen der Arbeitgeber mit Freuden und Schwanzwedeln apportieren können.  Wuff.

So seh ich den eigenen Tarifverhandlungen mit einem Schulterzucken zu – denn die Hoffnung ist seid Jahren weg. Auch wenn ich mich selber mal kurz einer Gewerkschaft angeschlossen hatte – doch nachdem der Verhandlungsführer dieser Gewerkschaft auf einer Betriebsversammlung den Arbeitnehmern durch die Blume sagte: Verlangt nicht zu viel! – seitdem ist das Thema Gewerkschaft für mich erledigt.

Von daher wünsche ich der GdF viel Erfolg. Auf dass sie mehr „Eier in der Hose“ haben als Verdi und Komba und Co.

Außerdem – sein wir doch mal ehrlich – braucht man von Frankfurt nach z.B. Stuttgart wirklich 10 oder mehr Flüge am Tag? Hallo?! Das schafft man mit dem Auto auch in gut zwei Stunden – gut, im Flugzeug vielleicht in 30 Minuten – doch davor noch einchecken und dann wieder auschecken… ?

Aber na ja – irgendwo müßen die Passagierrekorde ja herkommen.