Streikveränderungen

Anzeigetafel am Flughafen mit stattfindenen und gecancelten Flugverbindungen zwischen 07:51 und 08:45 Uhr

Da kann ich ja nun auch schon fast sagen: Alle Jahre wieder…

In den letzten Wochen war und ist wieder ein hohes Streikaufkommen: Bahn, Öffis, wir…

Ja, auch am Flughafen war wieder ein Streiktag. Letztes Jahr waren es 2 oder 3, wovon ich zumindest einen Tag mitgestreikt habe. Denn den oder die anderen Streiktag(e) hatte ich frei. Doch wenn ich arbeiten darf… „darf“ in Anführungszeichen… und es wird gestreikt, mache ich mit.

Letztes Jahr habe ich mich da nur kurz am Flughafen aufgehalten, weil Parken + so (kann hier nachgelesen werden), doch am Donnerstag war ja eine einfache Anreise mit der Bahn möglich, also war ich auch länger da. Auch wenn ich die Gelegenheit genutzt habe, nicht schon vor 5 Uhr da sein zu müssen, sondern erst kurz vor 7 eingetrudelt bin. Und damit scheine ich noch einer der frühesten meiner Kollegen gewesen zu sein.

Tatsächlich habe ich inzwischen ein paar Streiks mitmachen dürfen. Auch wenn es ein weiter Weg bis dahin war.
Ich habe hier am Flughafen vor nun fast 19 Jahren angefangen… *Entsetzt-Smiley*
Und das für gerade mal Sieben Euro Achtundfünfzig. In Zahlen: 7,58 !!!

Damals soll wohl auch mal bei einer Kontrolle der Spruch von Fluggästen gefallen sein „Pass auf Deinen Geldbeutel auf. Die verdienen nur 7,58.“
Ob diese Anekdote richtig ist? Ich habe sie nicht erlebt. Doch wenn wir jetzt allgemein den Mindestlohn von 12,41 € sehen… da waren wir um einiges drunter. Ich habe ja sogar 2 Jahre noch einen Nebenjob gemacht, damit es hinkommt bei mir. Von 2008 – 2010 habe ich noch nach dem Flughafen in einem Callcenter gearbeitet. Für 12 Euro die Stunde. Das war mehr, als ich hier am Flughafen zu der Zeit bekommen habe. Da gab es zu dem Zeitpunkt um die zehn Euro.
Jetzt? Bekommen wir 20,60 €. Zumindest die Alteingesessenen. Ich denke, für „Anfänger“ ist es das erste Jahr etwas weniger.

Das ist natürlich eine ganz andere Hausnummer. Doch die kamen nicht von alleine.

Irgendwann vor 2010 war ich schonmal in der Gewerkschaft. Da hatten die Vertrauensleute – besonders einer – die Reden von Streik geschwungen… und dann gab es einen ganz schnellen klitzekleinen Schnellabschluß ohne Streik. Wahrscheinlich weil der Verhandlungsführer gut mit den Arbeitgebern war.
Da war ich aus der Gewerkschaft ganz schnell wieder draußen.

Damit hatte sich Verdi damals selbst ein großes Eigentor geschossen, denn so haben sich Kollegen nach einer Alternative für sie umgesehen und so die Komba ins Spiel + an den Flughafen gebracht. (Ich glaube, das habe ich auch in dem anderen Beitrag festgehalten.)
Und jetzt?
Jetzt ist das ein Hickhack zwischen den Gewerkschaften + ihren Vertretern + ihren Mitgliedern. Das ist schon teilweise peinlich.

Aber ich wollte mich ja hier zum Thema Streik auslassen.

Sonnenstrahlen am Horizont hinter dem VorfeldBis wir dann wirklich das erste Mal gestreikt haben, hat das Jahre gedauert. Und ich glaube, der erste kleine Streik war mal ein Testballon in meiner Abteilung. An einem Tag, an dem ich frei hatte. Da haben Kollegen mal für 3-4 Stunden die Arbeit niedergelegt. Und es haben einige mitgemacht.

Ich weiß nicht, warum wir vorher nie gestreikt haben. Ich glaube, es lag wirklich am Gewerkschaftsmenschen.
Wann war denn nun der erste RICHTIGE Streik? 2012? Oder eher 2014?

Dadurch, dass der Flughafen bis dahin nie vom Sicherheitspersonal bestreikt wurde, waren sich die Firmen ihrer selbst sehr sicher. Das ja eh kaum Leute in der Gewerkschaft wären und von daher eh niemand streiken würde…
Da hatten sie sich ziemlich geirrt.
Aber sowas von.

Damals bin ich pünktlich für den Dienst in Dienstkleidung angekommen, und wir wurden von den Kollegen direkt an den Treppen begrüßt.
Wir haben tatsächlich dann alle noch in der Steuerung angerufen und gesagt, dass wir uns dem Streik anschließen. Anschließend sind wir durch den Flughafen gezogen – wobei es da ein paar Kollegen gab, die die Sache nicht verstanden hatten. Die haben gegen die Fluggäste Stimmung gemacht, was ja nicht der Sinn und Zweck der Sache war.
Es war auf jeden Fall Chaos.

Dabei hat es sich der Vertreter der Komba bei vielen verscherzt, weil er bei der Kundgebung etwas gesagt hatte, was nicht stimmte. Und hinterher wollte er es nicht gesagt haben… Doch ich war dabei + habe es gehört…

So hat sich diese Gewerkschaft für mich ebenfalls disqualifiziert. Doch nachdem wir dann wirklich 2-3 Mal gestreikt hatten, und es sich langsam bemerkbar machte, bin ich auch wieder in die Gewerkschaft eingetreten. Nachdem ich mich wirklich vertreten gefühlt hatte.

Wenn ich nun den erste Streik und den letzten vergleiche…
Was für ein Unterschied.

Noch vor 2 Jahren oder so haben wir einen Marsch auf der Flughafenstraße gemacht. Da haben uns sogar LKWs von der Autobahn gegrüßt.
Dieses Mal sollte auch ein Zug stattfinden. Doch irgendwie war nach der Kundgebung Schluss. Anscheinend haben wir ein zu trauriges Bild abgegeben.

Es haben sich wohl viele Kollegen als Notdienst eingetragen. Anscheinend sogar so viele, dass die Firma angeblich überlegt hätte, eine Spur aufzumachen. Um also wirklich Passagiere von außen zu kontrollieren. Auch bei den Kollegen in meiner Abteilung gab es wohl einige „Notdienstler“.

Beim ersten Streik war der Parkplatz voll.

Dieses Mal?
Sah es zwischendurch kläglich aus. Doch es ist ein gemischter Trupp durch die Hallen des Flughafens gezogen, das waren da wohl mehr, als in der Kälte auf dem Parkplatz. Außerdem bin ich ja auch inzwischen nicht mehr zum Dienstbeginn da, wenn ich weiß, dass ich streiken werde.
Und in der Steuerung rufe ich auch nicht mehr an. Die sehen ja, das ich nicht einsteche. Letztes Jahr wurde ich dann am Streiktag mit „No Show“ festgehalten.
Für die Kundgebung waren dann sogar einige KollegInnen aus dem Spätdienst da. Ich denke, das bedeutet, dass die Planungen inzwischen Arbeitnehmerfreundlicher sind.

Wahrscheinlich sind es eher neue Kollegen, die sich nicht trauen zu streiken, weil Probezeit + so. Doch die alten KollegInnen, die schon Jahre dabei sind…

Anscheinend wird das Geld nun als ausreichend angenommen.
‚Wenn ich streike, bekomme ich ja für den Tag gar kein Geld, wenn ich nicht in der Gewerkschaft bin. Warum soll ich also streiken? Ich bekomme ja eh alles ab, was die anderen erstreiken.‘

Traurig.

Der Streikwille ist müde geworden.
Die Arbeitenden träge.
Ich sehe nicht rosig für den nächsten Streik.

Hoffentlich irre ich mich.

Feuer vor schwarzem Hintergrund

Streik… und Gewerkschaften

Es wird gestreikt – und die Stimmungswellen schlagen hoch.

Am Flughafen Frankfurt hat – im übertragenen Sinne – eine Handvoll Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt, um dem großen Hausherren zu sagen „So nicht!“
Die Zeitung mit den vier Buchsteben scheint eher auf der Seite der Aktionäre zu stehen, wenn ich die Schlagzeile auf Seite 3 richtig deute: „Ihr habt uns den Urlaub versaut“. Vielleicht hätten es die Streikenden ja auch auf die erste Seite geschafft, wenn sich da nicht unser heutiger bzw. gestriger Ex-Bundespräsident breitgemacht hätte. Da er aber zum Druckzeitpunkt noch nicht Ex war, wird das sicherlich morgen (also heute) DAS Thema sein – und es wird von dieser Seite her nicht als Titelthema auf den Streikenden herumgehackt. Dies versucht der Hausherr schon den Mitarbeitern zu überlassen, in dem er an besonderen Punkten (z.B. den Kantinen) Plakate aufhängt, auf denen man lesen kann:

„GdF-Kollegen – schade, dass Ihr nicht mehr dazu gehören wollt.“

oder

„GdF – Ihr überzieht.“

Denn was soll sonst der Sinn von solchen Plakaten sein?
In meinen Augen (und nicht nur in denen) wird damit versucht, einen Keil zwischen die verschiedenen Parteien der Angestellten und Arbeiter des Großmuftis zu treiben. Und allen, die sonst dazugehören – irgendwo am Rockzipfel hängen, aber halt nicht die Macht und Möglichkeit haben, die eigenen Wünsche und Forderungen so zu vertreten, wie es diese Handvoll tun – und so immerhin ein wenig Sand ins große Flughafengetriebe streuen.

Auf diesen Plakaten stellt man sich als große Familie dar – und das böse Kind will nicht so, wie es Mutter und Papa Aktionär am liebsten ist. Schlimm.
Einerseits heißt es immer wieder neue Passagierrekorde – aber andererseits wird dann nur ein Teil der Familie belohnt – aus welchen fadenscheinigen Gründen auch immer.

Ich will mich jetzt gar nicht zu den einzelnen Punkten der Forderungen der Verhandlungspartner äußern. Ich habe mich mit ihnen nicht beschäftigt und will deshalb keine Meinung dazu abgeben.
Aber ich kann sagen, dass ich den Streik durchaus gut finde. Eine – wenn auch kleine – Interessensgemeinschaft (Gewerkschaft) hat ein Ziel vor Augen und tritt dafür ein. Irgendwie glaube ich, dass dies wohl nur noch bei kleinen Gewerkschaften funktioniert. Bei den „Großen“ – wie Verdi oder Komba, die bei uns die Finger drin haben – wird sich in tausend Jahren nichts mehr tun, weil diese „Großen“ schon viel zu eng mit den Gesellschaften verknüpft sind. Es wird zwar mal gebellt, wenn es um neue Verhandlungen geht – aber letztendlich werden sie froh sein, wenn sie wieder das geworfene Stöckchen der Arbeitgeber mit Freuden und Schwanzwedeln apportieren können.  Wuff.

So seh ich den eigenen Tarifverhandlungen mit einem Schulterzucken zu – denn die Hoffnung ist seid Jahren weg. Auch wenn ich mich selber mal kurz einer Gewerkschaft angeschlossen hatte – doch nachdem der Verhandlungsführer dieser Gewerkschaft auf einer Betriebsversammlung den Arbeitnehmern durch die Blume sagte: Verlangt nicht zu viel! – seitdem ist das Thema Gewerkschaft für mich erledigt.

Von daher wünsche ich der GdF viel Erfolg. Auf dass sie mehr „Eier in der Hose“ haben als Verdi und Komba und Co.

Außerdem – sein wir doch mal ehrlich – braucht man von Frankfurt nach z.B. Stuttgart wirklich 10 oder mehr Flüge am Tag? Hallo?! Das schafft man mit dem Auto auch in gut zwei Stunden – gut, im Flugzeug vielleicht in 30 Minuten – doch davor noch einchecken und dann wieder auschecken… ?

Aber na ja – irgendwo müßen die Passagierrekorde ja herkommen.