Vermisst…

Ich vermisse
jemanden,
der an mich
und an den ich
denken kann – zu jeder Zeit.

Ich vermisse
jemanden,
der mit mir
und mit dem ich
über alles reden kann.

Ich vermisse
jemanden,
der mit mir
und mit dem ich
lachen kann bis zum Umfallen.

Ich vermisse
jemanden,
der mit mir
und mit dem ich
einfach gemeinsam sein kann.

Ich vermisse
jemanden
für viele Groß-
und Kleinigkeiten.

Vermisst…

Zweitbesetzung

ZweiZweiter bei Geburt
Geschwisterchen war vorher schon da.

Zweiter im Kindergarten
Andere Kinder hatten mehr zu Essen, zu Spielen und zu Erzählen.

Zweiter in der Schule
Noten waren gut – doch nie gut genug.

Zweiter in der Ausbildung
Andere waren interessierter und engagierter.

Zweiter in der Freizeit
Ehrgeiz für Anführer nie groß genug.

Zweiter im Beruf
Für die Masse der Arbeiterklasse gut genug.

Zweiter in Beziehungen
Da immer ein „Lieber“ und „Netter“…

Zweiter in Zeitungen
Andere Nachrichten waren immer wichtiger.

Zweiter im Sterben
Derjenige, auf den er von der Brücke aus fiel starb vorher.

Zweiter auf seiner Beerdigung
Der Pfarrer ging voraus.

Zweiter im Familiengrab
Die Großeltern waren schon/noch da…

Klasse Zweitbesetzung für’s Leben
und darüber hinaus.

„Einmal rühren mit Schütteln, bitte.“

Wir sind ja alles reine Chemiefässer. Alles, was wir denken, fühlen und tun, verdanken wir unserem inneren Chemiewerk.Fröhlich, traurig, verliebt… alles Chemie. Heißt ja nicht umsonst „Wenn die Chemie stimmt…“
Warum kann man das aktuelle Gebräu dann nicht nach eigenen Wünschen ein wenig neu mixen?

„Bitte 15% weniger Kuschelbär, dafür Verwegenheit um 20 Punkte steigern, gerne mit einem Schuß Casanova. Treue gegenüber alten Bekannten wird eh überbewertet und bringt letztendlich eh nichts außer Kosten für Porto, Schreibmaterial und Zeit. Daher bitte diesen Posten senken und dafür Testosteron anheben, um mal ordentlich auf den Tisch hauen zu können. Sagen wir um je 20 – 25 Punkte. Ich denke, dass wäre es für’s erste. Ich nehm die neue Mischung sofort hier.“

Das hätte doch was.

Man könnte sein eigenes Ich nach den eigenen Wünschen neu mixen und zusammenstellen. Das etwas weniger, dafür vielleicht etwas anderes mehr… und schon wäre man mehr mit sich zufrieden. Das ist schließlich auch nur Chemie.

Bei wem kann ich meine Bestellung aufgeben?
Ach, das ist nur ein Wunschdenken?

Mist!

Das Leben hat keinen Notausgang

Fast überall, wo man sich hinbegibt im Leben – Hotels, Gaststätten, Clubs, Kinos etc. – gibt es Notausgänge. Gibt es einen Notfall – Feuer, Wassereinbruch, wasauchimmer – man begibt sich zu den Notausgängen und verlässt die jeweilige Örtlichkeit.

Im Leben geht das nicht.

Bei Stress in der Schule – schlechte Noten, Zoff mit Mitschülern, keinen Plan vom Unterrichtsstoff… kein Notausgang.
Bei Ärger in der Beziehung – Eifersüchteleien, gegenseitiges Anstressen, Vorwürfe welcher Art auch immer… kein Notausgang.
Bei der Arbeit – Stress, Mobbing, Arbeit wächst einem über den Kopf… kein Notausgang.
Der Alltag – Zickereien in der Familie, immer die gleiche Tretmühle… kein Notausgang!

Man muss alles alleine durchstehen – ohne Fluchtmöglichkeit.
Eine Flucht wäre nur endgültig möglich.
Aber das ist nun mal kein Notausgang – denn wenn die Gefahr vorüber ist, kann man durch einen Notausgang wieder hereinkommen.
Und das geht im Leben nun mal nicht.

Das Leben hat keinen Notausgang – nur einen endgültigen Ausgang – ohne Wiederkehr.
Also bleiben wir bis zum Schluß – wie immer er auch aussehen und wie lange es auch dauern mag.