Gespräche über… Farben

Notizbuch in hellem Lila

– Oh. Das war jetzt schneller als erwartet.

– Ja. Was will er denn schon wieder? Hm, immerhin hat er diesmal einen ganzen Titel oben stehen. Auch wenn der nicht mehr Sinn ergibt als der letzte. Farben. Wieso sollen wir denn über Farben reden?

– Vielleicht sollen wir unsere Lieblingsfarbe sagen?

– Und dann? An den Händen fassen und im Kreis tanzen?

– Du bist ein bisschen negativ.

– Ein bisschen? Sehr!

– Hast du denn überhaupt ’ne Lieblingsfarbe?

– Hm. Nicht das ich wüsste.

– Ich mag ja Grün.

– A…ha. Grün. Nun ja, warum auch nicht.

– So ein schön dunkles. Oder von mir aus auch mal heller.

– Ja ja. Grün. Ich hab’s verstanden.
Nicht, dass uns das irgendwie hier weiterhelfen würde.

– Stimmt.

– Das einzige, was mir jetzt zu Farben einfällt, ist, dass gestern die Dritte eine blaue Schrift hatte.

– Oh, stimmt.

– Wenn wir hier wenigstens mal ein paar Farben sehen würden. Von mir aus irgendwelche Farbstifte.

36 Buntstifte im Metalletui

– Oh. Okay.
Aber im Gegensatz zu diesen Stiften oder der Dritten gestern: Wie sehen wir denn eigentlich aus?

– Hm? Wie meinst du?

– Na, welche Farbe haben wir eigentlich?

– Das kommt wahrscheinlich drauf an, wie der jeweilige Browser funktioniert und welchen Hintergrund er zeigt. Ist er schwarz, wie es eigentlich sein soll, müssten wir weiß sein. Ist der Hintergrund weiß, sind wir wohl schwarz.

– Wow. Das ist ja mal langweilig.

B: Oh. Ihr seid ja schon wieder hier.

– Du doch auch.

B: Redet ihr wieder übers Reden?

– Nein. Diesmal nicht.

– Genaugenommen haben wir gerade über dich geredet?

B: Über mich?

– Ja. Wieso bist du blau?

B: Keine Ahnung.

– Aber es muss doch einen Grund haben, warum du blau bist und wir nicht?

B: Vielleicht sieht er mich blau?

– Was? Wie meinst du das denn?

B: Na ja. Vielleicht sieht er mich hier reden und denkt sich dabei: Blau.
Er hört mich quasi Blau.

– Das ist doch Unsinn. Wie soll jemand denn Blau hören können?

B: Na, wenn jemand Zahlen sieht und Farben denkt, warum soll das nicht auch mit Text und Sprache gehen?

– Farben sehen und Zahlen denken?

B: Nein, Zahlen sehen und Farben denken. Das heißt Synästhesie. Eine Person sieht z.B. eine Sieben und sieht Lila.

– Sowas gibt es?

B: Ja.

– Und woher weißt du sowas? Nicht, dass dieser Fakt wichtig wäre… aber gut, er passt zumindest zum Gesprächsthema.

B . Eine Freundin hat es.

– Oh. Wow.

B: Hm.

– Aber wenn jetzt 7 Lila ist, wie wäre es dann mit 777 oder 174? Überlagert sich das oder verstärkt sich gar?

B: Das kann ich nicht sagen. Das muss ich sie erst fragen.

– Wenn er dich blau sieht oder denkt, warum sieht er uns beide dann nur schwarz oder weiß?

B: Vielleicht weiß er eure Farben noch nicht?

– Er weiß sie noch nicht? Es kann doch nicht so schwer sein?

– Vielleicht will er passende Farben und nicht irgendwelche?

– Wie sollen die denn passen?

– Na ja, wenn er dich so hört, erkennt er deine Farbe wohl noch nicht genau.

– Rede ich vielleicht zu leise? HALLO!!

– Ich habe ja gesagt, ich mag Grün. Das muss nicht bedeuten, das ich Grün bin, aber das mir die Farbe gefällt. Und wenn ich das und dich nun miteinander in Verbindung bringe, denke ich nicht, dass du z.B. Grün bist.

– Ach ja? Was denn dann?

– Hm. Vielleicht was in Richtung Gelb?

B : Aber kein Neon oder Leucht.

– Nein, eher trüb. Sowas wie Ocker.

– Na vielen Dank.

– Ich sehe mich auch nicht Rot, oder Blau. Grün? Echt schwierig.

B: Wartet doch einfach noch ein bisschen. Vielleicht sieht er und ihr bis zum nächsten Mal ja klarer?

– Das nächste Mal? Na super. Da freue ich mich jetzt schon drauf. Womöglich dieses Mal ein Gespräch über… was denn z.B.? Den Mond? Oder Essen?

B: Könnte doch sein.

– Es reicht schon, dass wir nun die ganze Zeit über Farben geredet haben und immer noch Schwarz-Weiß sind.

– Das sind halt auch die wichtigsten Farben. Von daher…

– So ein Unsinn.

 

(Farbgedanken?)

Feuer vor schwarzem Hintergrund

Gespräche über…

5 Notizbücher in DIN A5 - eines in Grün, drei in Schwarz und eines in Lila, von links nach rechts

– Über? Über was?

– Keine Ahnung.

– Aber da steht doch ‚Gespräche über‘. Also muss doch über irgendwas gesprochen werden. Worüber denn nun?

– Kann ich dir nicht sagen.

– Aber was ist denn das für ein Titel.

– Ich vermute, er hat selbst keine Ahnung, worüber wir sprechen werden oder sollen.

– Aber warum macht er es dann überhaupt?

– Ich glaube, wir sind eine Art Übung.

– Wie bitte? Eine Übung?

– Ja. Sowas wie ’ne Schreibübung.

– Eine Schreibübung?! Ich bin doch keine Schreibübung.

– Na ja, du nicht. Aber hier so das Gespräch.

– Was für ein Unsinn. Wenn ihm nichts einfällt, worüber er schreiben kann, dann sollte er das Schreiben lassen! Ich habe echt besseres zu tun.

– Aber er wohl nicht.

– Was interessiert mich das denn? Wenn ich hier schon mitmache, kann ich ja wohl erwarten, einen richtigen Text zu bekommen und nicht einfach irgend etwas hingeklatschtes.

– Vielleicht ist das ja der Sinn der Übung?

– Das ist einfach eine Unverschämtheit. Uns hier rumquatschen zu lassen, ohne damit irgendetwas zu sagen. Wenn ich etwas sage, muss das einen Sinn haben!

– Hm.

– Wenn er nur reden will, ohne damit was zu sagen, sollte er in die Politik gehen. Da wird auch viel geredet, ohne das was dahinter ist.

– Och, ich denke, bei vielem ist da auch was hinter.

– Ja, aber meist das Gegenteil von dem was gesagt wurde.

– Hmm…

– Sie sagen Hü und machen Hott.

– Na ja.

– Und wenn sie das so machen, hätten sie auch gleich die Klappe halten sollen. So wie wir.

– Aber da wir ja nicht wirklich was sagen, können wir davon auch nicht das Gegenteil machen oder meinen.

– Dann hätten wir auch gleich schweigen können. So rede ich mir den Mund fusselig über nichts und wieder nichts.

– Aber das machst du gut.

– … Oh… Danke.

– Jetzt stell Dir mal vor, du hättest wirklich etwas zu sagen gehabt. Dann würden wir ja gar nicht mehr fertig werden.

– Was macht ihr da?

– Oh… äh… was?

– Ich habe Euch gefragt, was ihr da macht?

– Ach so. Reden.

– Worüber?

– Über nichts.

– Nichts?

– Na ja, außer übers Reden.

– Übers Reden reden? Wie langweilig.

– Wer war das?

– Kenn ich nicht.

– Aber ihr geht es da wie mir. Reden übers Reden ist langweilig. Und führt zu irgendwie nix.

– Na gut. Dann sollten wir vielleicht auch damit aufhören.

– Gut.

– Und was machen wir stattdessen?

– Wir schweigen wieder bedeutungsschwanger.

– Das klingt gut. Da bin ich dabei.

– Ja. Und ich hoffe, beim nächsten Mal haben wir besseres zu Reden.

– Schaun mer mal.

Feuer vor schwarzem Hintergrund