Rapunzel – Brüder Grimm Festspiele Hanau 2016

Am Freitag war ich kurzfristig und kurz entschlossen bei der Nachmittags-Aufführung von „Rapunzel“.
Dabei handelt es sich um das diesjährige Musical der Brüder Grimm Festspiele in Hanau. Übrigens der 32. Festspiele… früher mal Märchenfestspiele, doch seit 2014 nur noch Festspiele. Dafür erweitert um ein Stück mit Nicht-Brüder-Grimm-Märchen-Hintergrund. Von jeweils einem Zeitgenossen der beiden Brüder.
Das nur mal kurz zum Hintergrund der Festspiele.

Vor Jahren war auch ich ein begeisterter Besucher der Festspiele. Gerne hätte ich auch mal selbst dort mitgespielt, und sei es nur als Statist. Doch mein Versuch, bei den „Sechs Schwänen“ als Bruder genommen zu werden, wurde anscheinend durch meinen damaligen Vollbart ruiniert. Als ich mich mit dem damaligen Intendanten getroffen habe, meinte er „Du siehst schon recht alt aus…“ und als ich nach einiger Zeit nachgefragt habe, war er gerade beschäftigt und wollte zurückrufen. Worauf ich heute noch warte.
Tja.
Als Schauspieler Klasse – als Mensch fand ich das nicht so dolle.
Um es mal so zu sagen.

Doch abgehakt.

Es sollte ja jetzt um Rapunzel gehen.

Wie gesagt – früher ging ich schon gerne mal hin, seit einiger Zeit dann nicht mehr. Auch aus Geld- und Zeitgründen. Meine Eltern dagegen gehen wenigstens einmal zu einem Familienstück mitsamt Enkeln. Find ich gut.

Ursprünglich hatte ich gar nicht vor, dieses Jahr zu gehen. Bis ich von einem Kollegen abgelegte Zeitungen zum Lesen bekommen habe. Dort waren auch Berichte über den Probenbeginn und was halt sonst so in Zeitungen steht drinnen. Und auch ein paar Fotos derjenigen, die dieses Jahr mitspielen. Und da bin ich über ein Gesicht gestolpert, dass ich kannte und mit dem ich vor Jahren in meinen Theateranfängen bei L’im (L’imagination malade) auch zusammen auf der Bühne gestanden habe.
Und ich dachte mir „Huch!“… und „Dieses Jahr MUSS ich also zu den Festspielen gehen.“
Und da die Person nur in „Rapunzel“ mitspielt, musste es also Rapunzel sein.
Ich habe an dem Tag abends meine Familie getroffen und direkt gesagt, dass ich heute festgestellt habe, dass ich zu den Festspielen muss. ;o)

Am Mittwochabend habe ich dann endlich mal nachgesehen, wann „Rapunzel“ denn so läuft – und direkt für die Freitags-Nachmittags-Vorstellung noch einen Platz in der 2. Reihe ziemlich in der Mitte bekommen.

Wie fand ich’s…

Nun, der Weg dorthin war mir bekannt, da musste ich also nicht suchen. ;o)
Auch war ich rechtzeitig genug da, um in Ruhe meine Vorab-gekaufte und zurückgelegte Karte abzuholen.
(Blöd fand ich ja dabei, dass man die Karte entweder mit Kreditkarte zahlen konnte oder mit Bankeinzug. Aber da man die Bankeinzugsdaten im Profil nirgends festhalten konnte, hieß es: „Die Daten konnten nicht gefunden werden, bitte wählen Sie eine andere Zahlungsart.“
Na toll! Wieso geben sie das dann überhaupt als Option an, wenn es nicht funktioniert?
Blöd.)
Ich also die Karte abgeholt und nach kurzem den Platz aufgesucht.
Und dann der Dinge geharrt, die kommen sollten.
Das waren..

Viel Musik. Klar, bei ’nem Musical. ;o)

Ok, jetzt im Ernst mal meine Meinung zur Aufführung.
Wie hat es mir gefallen…

Einen Abend vorher hatte ich schon von Drachenechse gehört, dass sie die ganze Sache nicht so doll fand. Hohe Preise, schlechte Akustik und dass es die witzigen Figuren rausgerissen haben.
Ich gehe da im Großen und Ganzen mit ihr konform:

Die für das Stück hinzugefügten Figuren der Elfe Felicitas, des Gnomes Grompf, sowie die 3 Mädels, die als Blumen, Elfen und Verkäuferinnen zu sehen waren, waren für den Großteil des Humorpotentials verantwortlich. Besonders möchte ich da die Blumenbestäubungsszene der Elfe mit den Blumen nennen, die sich danach die berühmten Zigaretten danach gönnten. Das werden Kinder jetzt wohl eher nicht verstanden haben, aber für „die Großen“ war das natürlich schon sehr erheiternd.

Über die Musik muss ich sagen, dass ich bei den Festspielen schon bessere und … mehr ins Ohr gehendere Musik bei Musicals gesehen und gehört habe.
Irgendwie fand ich die Abmischung aus abgespielter Musik und dem Gesang teilweise nicht so gut. Ein paarmal hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass der Gesang mehr von der Konserve kam als live.

Überhaupt der Ton… ich fand die ganzen Einspielungen der Töne für Zaubersprüche, Schüsse, Pfürze… etwas zu oft.
Gerade kommt mir der Gedanke, dass zumindest bei der Pfurz-Sache ein offen auf der Bühne „versteckt“ benutztes, gutes, altes Pfurzkissen vielleicht besser gewesen wäre.

Das Bühnenbild war sehr gut gebaut – mit mehreren Drehbühnen, so dass aus Drinnen schnell Draußen und wieder Drinnen werden konnte. Auch der Turm sehr praktisch drehbar, damit man drauf- und auch reinsehen konnte. Super. In so einem Bühnenbild möchte ich auch gerne mal spielen.

Bühnenbild Rapunzel

Bühnenbild Rapunzel

Die Lieder an sich fand ich, wie gesagt, nicht so packend.
Das hat aber nichts mit dem Gesang der Darsteller zu tun – der war sehr gut. Und für den Inhalt kann ein Sänger und Schauspieler ja nichts.

Die Schauspieler fand ich alle recht gut.
Rapunzel ist eine Süße; die böse Zauberin Gothel führt ein straffes Regiment über ihre Verkäuferinnen, die ein wenig wie aufgezogenes Spielzeug wirken. Als Mutter Gothel dagegen versucht sie Rapunzel von der Schlechtigkeit der Menschen und der Männer besonders zu warnen. Die Darstellungen der Zauberauswirkungen fand ich gut: Ausschalten der Verkäuferinnen, Festkleben am Boden und dann die Verbannung von Rapunzel aus dem Turm, nachdem Gothel die Geschichte mit dem Prinzen erfahren hat. Ein bisschen Nebel zur rechten Zeit kann viel bewirken. ;o)
Der Prinz oder König Philipp – mit seinen schon recht nervigen Cousins – der gerne seiner Krönung entkommen möchte. Er hat mich an einen anderen alten Darsteller der Märchenfestspiele erinnert, vom Typ her.
Die richtigen Eltern von Rapunzel, die auch Jahre später noch an ihre geraubte Tochter denken.
Diese Szene – eine Traumsequenz der Mutter – fand ich irgendwie am besten. Ich kann nicht genau erklären, warum, doch da hat für mich einfach alles zusammen gepasst. Und dann das Erwachen aus diesem Alptraum. Das war richtig gut.
Fehlt nur noch die Tante des Prinzen, die als Erzieherin der Jungs und als Erzählerin durch das Märchen führt.

Während die Darstellerin eben dieser Tante ein alter Festspiel-Hase in Hanau ist, waren viele der anderen Darsteller ein erstes Mal dabei. Und ich möchte ihnen wünschen, hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Nach der Aufführung sammeln die Darsteller immer noch für einen oder mehrere gute Zwecke. Von daher dachte ich, dass ich da dem mir bekannten Gesicht mal ein Überraschungs-Hallo sagen kann. Leider hat es dieses Mal nach der Aufführung nicht gesammelt.
Mist.

So habe ich meine geplante Spende dann in eine andere Spendendose geworfen und mich noch ein wenig herumgedrückt. Ich wollt einfach noch nicht gehen, so ohne ein Erfolgserlebnis.
Und dieses langsam sein hat sich ausgezahlt. :o)
Das Gesicht ist dann tatsächlich zum Essen zwischen den Aufführungen kurz herausgekommen – und nachdem ihm eine andere Gruppe noch angesprochen hatte, habe ich dann auch die Gelegenheit beim Schopf ergriffen.
Erst hat es mich nicht erkannt – aber nachdem ich es angesprochen habe, wußte es mich schon einzuordnen.

So habe ich ihm noch ein wenig beim Essen Gesellschaft geleistet und wir haben über alte und aktuelle Zeiten gesprochen.
Das war ein richtig guter Abschluß.
Und alleine dieses Gespräch war mir das Eintrittsgeld wert gewesen.

Ich glaube inzwischen, dass wir uns das letzte Mal in den 90ern getroffen haben, als ich mal zu Besuch vorbeigefahren bin.
Ist das lange her…
Aber es war gut, einfach mal als Überraschung hinzugehen und Hallo zu sagen.

Und jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir noch ein oder zwei Stücke der aktuellen Saison anzusehen. Das wären „Rotkäppchen“, „Die goldene Gans“ und „Was Ihr Wollt“. Und zumindest mit zwei Stücken davon konnte ich selbst schon Theaterluft schnuppern.
Also – zumindest für dieses Jahr habe ich wohl wieder Theaterblut geleckt.

Und falls das Gesicht nächstes Jahr eventuell auch wieder dabei ist, dann werde ich dort bestimmt auch wieder hingehen.

Aber ich werde diesem Gesicht hier keinen Namen geben – den muss man schon selbst herausfinden, wenn einen das wirklich interessiert.

Viel Spaß bei der Suche. ^^

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