„Da war schon einiges Episches dabei…“

Wer Theater spielt, hat möglicherweise auch schon diesen Spruch gehört:

„Da war schon viel Schönes dabei…“

Dieser Spruch variiert, ist genau der richtige für diesen Beitrag. ;o)
Es geht um Rollenspiel, mal wieder.

Letzten Freitag (vom Vorschreibzeitpunkt aus gesehen, also genauer am 07. September) hatten sich ein paar meiner Freunde zum Rollenspiel verabredet. Auch, um mal zwei totale Anfänger in dieses Spielgenre einzuführen.
Ich hatte tatsächlich auch mal frei – da an diesem Wochenende wieder das Hayner Burgfest war, und ich entsprechend Urlaub genommen hatte. Allerdings konnten Drachenechse + Fuchs am Freitag noch nicht – weswegen ich um Aufnahme in die Rollenspielrunde bat.
Sie wurde mir gewährt.
Also gab es dann am Freitagabend statt MA-Markt D&D 3.5.

Natürlich habe ich im Vorfeld mein Spielerhandbuch nicht gefunden, um vorab einen Char zu entwerfen. Erst kurz bevor ich zur Runde aufgebrochen bin, fiel es mir in die Finger. Typisch. Aber dann habe ich es zumindest mitgenommen. So hatten wir wenigstens zwei Bücher für die Charaktererschaffung zur Verfügung.
Meine Güte… Das ist immer eine Wissenschaft für sich.

Unser Meister – oder besser kurz SL für Spielleiter (übrigens die Banane) – hatte nur für die beiden totalen Anfänger Chars vorbereitet.
Die Dame wollte einen Halbork-Barbar spielen, und der Herr einen Magier. Ansonsten gab es noch eine Halbelfin, ich glaube Klerikerin; einen Zwergenbarden; einen Goblindruiden (mit Wolf) und einen Halbling-Schurken.
Der Halbling war übrigens meine Figur. Die kleinste Person – mit den längsten Fingern. Zumindest bis kurz vor Schluß.

Aber ich greife vor.

Nachdem sich dieser Trupp im Wald zufällig zusammengefunden hatte, ging’s los.
Noch vom RP-Wochenende an Pfingsten war ich es gewohnt, mir wenigstens mal die Namen zu notieren: So wie ich es verstanden habe, hieß der Halbork-Barbar Tock. Sehr passend, wie ich finde.
Der Zauberer hatte uns keinen Namen genannt, sozusagen Namenlos.
Die Halbelfin hieß Elisabetha; der Zwerg Lofor Fondor. Der Gnom hörte (vielleicht) auf Boddyknock und mein Halbling auf Osborn Unterberg.

Mitten in der Nacht kam ein Geist aus dem Wald auf uns zu, was Tock lautstark mitteilte. Danach war an Schlafen erstmal nicht zu denken.
Dieser Geist wandte sich an uns, seine Seele zu befreien, die in einem Kristall eingesperrt worden war. Ja, er wäre mal böse gewesen, aber er hätte seine Sünden bereut.

Nachdem wir nicht direkt losziehen wollten, weil mögliche Schätze in einem Hügelgrab von anderen Toten uns nicht so richtig animierten, warf er noch seine persönlichen Schmuck in die Waagschale – und schon wollten alle aus dieser abgebrannten Truppe. (Ich durfte ja noch nicht einmal einen kleinen Grundgeldbetrag erwürfeln bei der Schaffung. ^^)

Mein Halbling – also ich – hätte ja gerne noch bis zum Morgen gewartet, aber gut.

Wir fanden das Grab und den Eingang dazu.
Der Zauberer konnte auch die Schrift lesen, welche sich über diesem Eingang befand – doch über das Rätsel mussten wir erstmal nachdenken.
Zum Glück sieht so etwas, wirklich aufgeschrieben, gleich anders aus. Und nachdem unser SL etwas über die Leichtigkeit des Rätsels gesagt hatte, kamen wir tatsächlich drauf.
Und so ging es in den Untergrund, respektive das Hügelgrab.

Tock ging voraus.
Hauptsächlich wegen der Nachtsicht der Halb-Orks. Und wenn der Größte vorausgeht, kann das ja auch nicht schaden.
An der ersten Tür im Grab spitzte Tock dann mal kurz die Ohren, ob er was hören konnte… und machte dann kurzen Prozess mit ihr.

Andere Personen schauen ja in der Regel erstmal, ob eine Tür überhaupt verschlossen ist. Tock trat sie direkt ein. Und zwar episch. So dass die komplette Tür aus den Angeln brach und erstmal 2 Meter in den Raum hineinschoss, bevor sie dort dann umfiel.

Dies fanden die (kurzfristig verdoppelten) Riesenratten im Raum nicht ganz so prickelnd. Nicht mal mit Boddyknock, unserem Goblin-Druiden, wollten sie da mal in Ruhe reden.
Also gab es Randale.
Unser SL fand es wahrscheinlich recht dilettantisch, wie wir gewürfelt haben. Andererseits war der Einzige, der verwundet wurde, der Wolf unseres Druiden. Von daher…
Und immerhin haben wir diese 4 Riesenratten – die wohl in meine Größenkategorie gefallen sein dürften (Osborn kam auf 89 cm) – innerhalb von 3 Runden geschafft. Denn meine Armbrust konnte ich zwar ein zweites Mal spannen, aber nicht abfeuern. Der erste Schuss hatte natürlich nicht getroffen. Aber ich konnte meinen Bolzen wenigstens heil einsammeln.

Tock nahm sich von den Ratten dann erstmal Verpflegung für unterwegs mit. Zarte Gemüter fanden dies zwar fragwürdig, doch Barbar muss ja sehen, wo er bleibt. In der Zwischenzeit sah ich mir zuerst den vorhandenen offenen Durchgang an, um mich danach der noch vorhandenen geschlossenen Tür zuzuwenden.

Boddyknock (der Gnom) fand tatsächlich im Rattennest einen Manatrank, wie sich herausstellte. Und da er mit Mana nichts anfangen konnte, gab er diesen direkt an den Zauberer weiter. Dieser hatte in der Zwischenzeit unsinnige Gedankengänge, wie das Blut der erschlagenen Ratten in, auf einem im Raum vorhandenen Steinaltar herumstehenden, Blechkelche zu füllen und dieses dann einem der herumstehenden Götterstatuen zu opfern. (Wurde dann natürlich nicht gemacht, denn das wäre schon Richtung Nekromantie und Dämonenbeschwörung gegangen.)

Die restlichen noch herumstehende Särge hatte nichts mehr zu bieten. Deswegen wollte die Halbelfin unbedingt IN den Steinaltar sehen, ob da nicht eine Reliquie drinnen versteckt wäre. Während sie damit den Rest der Gruppe beschäftigte, sah ich mir also die noch ganze Tür an. Hören konnte ich dahinter nichts, und tatsächlich war sie auch richtig verschlossen. Aber nicht lange. Schließlich, wozu ist man Schurke? Und keiner der anderen hat es mitbekommen. ^^

Jedoch nahmen wir dann den anderen Gang, weswegen ich die Tür wieder zuzog und als Alarmsicherung einen der Blechkelche auf die Klinke stellte.

In diesem Gang fanden wir das Opfer einer Speerfalle – weswegen ab da der Zwerg vorgehen durfte. Schließlich kennen Zwerge sich mit Steinen aus, und sollten also Veränderungen durch Fallen bemerken.

Der zweite Raum, den wir schließlich betraten, enthielt 12 Steinsarkophage – von denen bei 3 die Deckelplatten verschoben waren + somit offen standen.
Tja – ich hatte dann nichts Besseres zu tun, als in einen hineinzusehen… und konnte gerade noch der herabsausenden Klinge des Schwertes des Sarkophagbesitzers ausweichen.
Da hatten wir es also mit 3 Skelettkriegern zu tun. Auch diese wurden besiegt – einer mit einer epischen Angriffsaktion von Tock. Denn der rammte eines der Skelette mit seinem Schild mit solcher Wucht gegen die Wand, dass nur noch Knochenstaub übrigblieb.
Nachdem ich einem Nachschlag des Skelettes noch ausweichen konnte, hielt ich mich aus den Kampfhandlungen raus. Hätte mit meinen Waffen eh nichts ausrichten können.
So zog ich mich zu der Tür zurück, die dieser Raum bieten konnte. Auch diese war wieder verschlossen. Und die Skelettkrieger waren schnell Geschichte.

Während jetzt die anderen die offenen Sarkophage durchsuchten und auch noch einen weiteren öffneten, um dabei noch einen Heiltrank zu finden, kümmerte ich mich um die Tür. Danach war sie nicht mehr verschlossen, und wieder hatte keiner etwas davon mitbekommen. Doch nahmen wir auch hier erst den vorhandenen offenen Durchgang und kamen durch ihn in eine Gebeinkammer, wo die, über die Jahre der Benutzung dieses Hügelgrabes zusammengekommenen, knöchernen Überreste in entsprechenden Stapeln gesammelt wurden, um damit Platz für neue Liegeplätze zu schaffen. Von dieser Gebeinkammer führte ein weiterer Gang zurück in die erste Kammer.

Daher drehten wir wieder um, und nahmen uns meine zuletzt geöffnete Tür vor.
(Dieses Mal hatte ich eines der Schilde der Skelettkrieger dagegen gelehnt, falls diese unerwarteter weise aufgegangen wäre.)

Die Tür, die diesen Gang abschloss, musste ich dann leider vor aller Augen öffnen. Hm…

Nach dieser Tür waren wir da, wo wir hinwollten:

Ein übel zugerichteter Leichnam: Mit Schwert eingeschlagenem Schädel – in dem das Schwert noch steckte; einen Stein in den Mund gestopft; gebrochene Arme und Beine, zusätzlich durch Ketten gesichert; und in seinen verkrümmten Händen lag der leicht schimmernde Kristall/Stein.
Über der Leiche war zusätzlich noch eine Inschrift angebracht, die den Leichnam als einen bösen Nekromanten vorstellte, vor dem man sich in Acht nehmen sollte. Entsprechend wurde darüber diskutiert, wie jetzt weiter zu verfahren sei: Stein zerstören, nehmen, nicht nehmen, nicht zerstören… Gleich oder später?

Mein Osborn erinnerte sich dagegen an die erwähnten Schmuckstücke, und während der Rest auf Höhe der Hände und des Steines standen – und leider, ehrlich gesagt, offgame diskutierten – schlenderte ich zum Kopf des Leichnams und kümmerte mich inzwischen um den Schmuck. Eine Halskette mit Stein – und ein Ring?
Auf jeden Fall bekam ich beide Inventarkarten dafür. Karten, die unser SL an diesem Abend mal ausprobierte. Und beide Sachen kamen zusammen auf 750 Goldmünzen, nur für mich. Ha.
Aber… das war wohl etwas zu früh gefreut.

Der noch anwesende Rest hatte sich jetzt nämlich auch zu einer Aktion durchgewrungen – und so ließ der Zauberer den Stein aus den Händen der Leiche schweben und dann auf den Boden fallen.
Bis auf ein „PLUMPS!“ tat sich aber nichts. So ein kleiner Fall macht einen Stein noch nicht kaputt.
Also nahm ich ihn in die Hand…

Darauf bekam ich einen Zettel vom SL, während er dazu bemerkte, er habe gehofft, dass ICH den Stein nehmen würde. Denn durch den Zettel gab er mir zu verstehen, dass…
… der böse Nekromant nur auf so einen Trottel wie mich gewartet hatte und jetzt meinen Körper übernehmen würde. Dies würde einen kleinen Moment dauern, aber ich sollte mich nicht sträuben. Mir diesen Umstand klar gemacht hatte die Stimme des Nekromanten, die nur ich hören konnte. (Daher der Zettel.)

Unnötig zu erwähnen, dass ich den Stein nun natürlich nicht mehr loslassen – und natürlich auch nicht mehr reden konnte.

OG konnte ich den anderen erklären, was sie sehen. Auch umschreiben können hätte ich die Situation, aber halt nicht iG. So erleichterte ich mir die Sache, nahm ein Baguette als Stein und fuchtelte mit diesem entsprechend herum, als wollte ich ihn loswerden. Was natürlich nicht ging.

Tock kapierte gleich, was ich mit der Fuchtelei ausdrücken wollte.
„Er will den Stein loswerden.“
Nicken konnte ich noch.
Das nächste war sein Vorschlag: „Soll ich dir den Arm abschlagen?“

Ich stockte kurz und ging meine Optionen durch: Als Schurke eine Hand verlieren – oder den kompletten Körper + Leben…?
Danach hielt ich ihm meinen Arm hin und blickte zur anderen Seite…

Tja.

So schnell kann’s gehen und schon ist man ein einhändiger Halbling.
Tock schwang sein Schwert und Stein mit Hand drum fielen zu Boden. Meine Blutung wurde gestillt und nun waren wir fertig.
Unsere Halbelfin hatte es nämlich kurz vor Betreten dieser Grabkammer ins Bett gezogen. D.h., fachliche Untotenhilfe war keine mehr vorhanden.
Unser SL meinte da zwar noch „Schade, gerade jetzt.“ – aber so ist es nun mal.

Als Tock mir die Hand abschlug, meinte unser SL „Wow. Das ging schnell.“ Vor allem hätte er mit dieser Lösung nicht gerechnet.
Diese Entscheidung, vom Stein nehmen bis zum Abschlagen, war, gefühlt für mich, die schnellste Entscheidung des ganzen Abends. Kein Diskutieren, Palavern oder sonst was. Ein Vorschlag, der helfen könnte… und der wurde angenommen.

ZACK!

Hach ja, das war schon cool.

Endlich mal wieder rollenspielen.
(Auch wenn wir es da nicht so draufhatten, bzw. gerollenspielt haben. Waren halt doch hauptsächlich OG-Gespräche + Planungen. OG = OffGame, also sozusagen privat.)
Aber die Sache an sich war gut. Wie eingangs erwähnt: Da war schon viel Episches dabei. Die erste Türöffnung des Halb-Orks ohne vorherigen Verschlossenheitstest. Oder die Schild-Ramm-Aktion. Sauber.

Tatsächlich finde ich es auch gut, die Hand verloren zu haben.

Ich stelle es mir jetzt so vor, dass die Übernahme durch ein Verschrumpeln angezeigt worden wäre – und der Hieb knapp über der bis dahin befallenen Hand erfolgte. So dass sich jetzt an den Stein eine verschrumpelte Hand klammert.

Bei diesem Spiel handelte es sich um einen One-Shot, ein einmaliges Spiel. Das war von vornherein klar. Und auch wenn manche Spieler in einem One-Shot vielleicht andere Sachen machen, als sie es bei einer Kampagne tun würden: Auch in einer Kampagne hätte ich den Verlust meiner Hand zugestimmt. Und hätte damit leben müssen. Allerdings denke ich mir da schon: Ich habe den Schatz ganz alleine eingesackt. Für 750 Goldmünzen bekommt man schon eine gute Prothese. Und… ich glaube, auch eine Prothese könnte mich nicht vom Schlösserknacken abhalten. Mit dem entsprechenden Prothesenaufsatz kann ich damit immer noch den Schließzylinder drehen, während meine Linke für die Feinarbeit zuständig ist.

Ich fände es sogar mal ganz interessant, so einen Char zu spielen.

In der Nachbesprechung meinte unser SL auch, wäre das eine Kampagne, könnte man den Stein selbst zwar immer noch nicht anfassen aus Übernahmegründen ^^, die Hand daran aber schon. Vielleicht könnte man damit noch Gold verdienen – und später könnte ich meine Hand vielleicht wieder heilen/anwachsen lassen. In einer Fantasy-Welt sind ja alle Möglichkeiten offen.

Ach ja – ich glaube, Tock hat auch noch den Kopf des Nekromanten als Trophäe mitgenommen.

Wahrscheinlich hätte es für Tock auch gereicht, meine Hand mit dem Dolch abzuschneiden – einfach wegen der Größenverhältnisse. ;o) Schließlich war er locker doppelt so groß wie ich. Mehr sogar.

Ja. Das war also ein kleiner Bericht zu einem teilweise epischen Abenteuer.

Ach ja, die Anfänger…
Nun – in vielem waren wir anderen genauso planlos wie diese Anfänger. Da hat man sicherlich keine Unterschiede bemerkt. ;o)
Wie es ihnen gefallen hat?
Nun, die Spielerin von Tock war begeistert. Ich denke, sie wurde vom Virus infiziert. Der Spieler des Zauberers bemängelte – zu Recht – kaum erfolgtes Rollenspiel, weil er sich das kaum vorstellen konnte + gerne mal kennengelernt hätte. Jedoch ist dies eh nicht so einfach bei einer bunt zusammengewürfelten Truppe, die sich vorher noch nie wirklich gesehen hat, iG. Da sind andere Systeme wohl rp-förderlicher als D&D 3.5.

z.B. Beyond the Wall, in dem man eine Gruppe zusammen erschafft, die gemeinsam in einem Dorf aufgewachsen sind, mit einigen Verknüpfungspunkten. Sowas erleichtert das Rollenspiel miteinander ungemein.

Er bräuchte wohl noch ein paar Testspiele.

Aber so hatten wir eigentlich alle Spaß. Von daher war das geplante Ziel unseres SLs schon mal erreicht.

Mal sehen, wann ich jetzt das nächste Mal zum Spielen komme.

Hoffentlich noch vor der Larp-Hochzeit von Drachenechse + Fuchs.

;o)

 

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