Vergangen…heit

Letzte Woche habe ich meine Vergangenheit weggeschmissen.

Einfach weg.

Warum?

Nun…

Letzte Woche hatte ich endlich mal wieder eine ganze Woche Urlaub. Doch dieses Jahr habe ich diesen Spätherbst-Urlaub mal nicht zum Verreisen genutzt. Es ging nicht auf die Insel – weder die kleine, noch die große. Auch wenn ich durchaus Lust gehabt hätte, mal wieder zu fahren. Aber dann doch irgendwie nicht genug.
Also blieb ich zu Hause.

Wie sich herausstellte, war dies auch ganz gut so. Denn so konnte ich diese Woche dazu nutzen – konnte? Musste! – meinen Keller etwas auszumisten. Denn der soll gemacht werden, weswegen alles aus meinem Keller raus musste.

Ich sage es mal so: Von den Jägern und Sammlern der Vorzeit ist bei mir definitiv mehr Sammler übriggeblieben. Ich werfe eher ungern was weg – weswegen beim damaligen Umzug hierher auch vieles einfach in Kartons und dann hier in den Keller gestopft wurde.
Und seitdem standen diese Kartons zum großen Teil unberührt dort herum.
(Der Umzug war vor inzwischen 6 (!) Jahren.)

Wenn der Schornsteinfeger nicht an einen Kaminzugang in meinem Keller gemusst hätte, wäre da noch weniger passiert. So musste ich wenigstens diesen Zugang „freischaufeln“.
Aber seitdem…

Doch jetzt war es soweit. Es wurde ausgemistet. Mit der Hilfe meiner Mutter – wie Mütter halt helfen, meine mir zumindest. Auch wenn es ihr in manchen Punkten nicht schnell genug ging.

Manches war schnell entschieden.

So bei manchen Spielsachen, die an meine Schwester, bzw. die Kinder meiner Schwester gingen. z.B. die 1:72-Modellfiguren, die ich bestimmt teilweise schon 40 Jahre habe… hatte; Legofiguren und -steine; Playmobilsachen… aber da nicht alles. Die 10 kg-Waschmittelpulver-Trommel voll mit Playmobilkleinzeug habe ich vorerst behalten. Aber so Extrafiguren und Ritter etc.
Meiner Mutter habe ich für ihr Flohmarktfach noch Ü-Ei-Kram mitgegeben, und Modellautos… und und und.
Das war alles relativ einfach.

Was dann lange gedauert hat, das war der Papierkram.

Den ersten Papierschwung habe ich noch im Keller aussortiert.

Dies war der Punkt, den meine Mutter schneller gemacht hätte. Die hätte gesehen ‚Papier? Kann weg.‘ – und Schwupps! wäre alles sofort en bloc ins Altpapier gewandert. Das kann + konnte ich nicht – noch nie. Wirklich nicht. Auch bei mir lag es dann zwar im Altpapier, doch ich musste zumindest jedes Blatt mal angesehen haben.

Vor der kleinen Auslagerung aus meinem Keller raus gab es letztendlich noch etwa 4 Kartons, die nicht geklärt waren. Davon waren wenigstens zwei Kartons nur Papiere, die ich dann alleine in meiner Wohnung aussortiert habe.

Ja.

Da habe ich dann also meine Vergangenheit weggeschmissen.

Alte Schulsachen aus meiner Realschulzeit. Pseudokram. Und hauptsächlich Briefe, Briefe, Briefe.

An mich und von mir.

Ich hatte mir bereits vor über 20 Jahren angewöhnt, Briefe, die ich geschrieben habe zu kopieren. Damit ich auch bei einer längeren Schreibpause noch wusste, um was es ging.

Und ich stelle fest: Ich habe doch mehr geschrieben, als ich gedacht hätte. Und an viel mehr Personen. Meist weiblich. Die jetzt folgende Aufzählung birgt keine Garantie für Vollzähligkeit, und bedeutet keine Wertung über die Wichtigkeit des Briefwechsels. Es sind einfach Namen, an die ich erinnert wurde und an die ich mich hier jetzt gerne weiter erinnern möchte:

Hanka, Daniela, Alex, Steffi, Bärbel, Birte, Hanne, Kathrin, Steffi, Suse, Katja, Wendy, Antje, Simone, Norman, Dörte, Nicola, Juliette, Noemi, Ela, Vampirli (Anja), Tina, Psyche, Guru, Birgit, Katja, Leonie, Babsi, Christian, Riki, Swetlana, Kirsten, Sandra, Herbert, Petra, Harisharan, meine Schwester

Es gab Ansichtskarten von meinen Eltern; von mir; an mich… Kreative Post von mir auf einer Faxpapierrolle. Da konnte man wirklich von einem Meter Post sprechen. Briefe auf mehr Kontaktanzeigen von mir, als ich mich erinnern konnte. Schulhefte, Arbeitshefte…

Das ist jetzt alles weg. Zumindest so gut wie. Gedanklich ist es wenigstens nicht mehr da. Meine Vergangenheit liegt auf dem Müll – genauer Altpapier.

Was ich behalten habe sind Adresslisten. Von Theatergruppen und Schulklassen. Real- und Berufsschule.

Ich habe etwas aus meiner Schulzeit aufgehoben, von dem ich jetzt denke, dass mir dies noch einen guten Ansatz für einen oder mehrere neue Blogs bietet. Wenigstens einen.

Fotos habe ich behalten, sofern sie nicht ganz unscharf oder ohne Motiv waren.

Ich habe alte Texte + Textfragmente behalten, während ich diverse kitschige Verse dem totalen Vergessen überantwortet habe.

Und so ging meine Vergangenheit von mir.vergangenheitskarton
Bzw., wenn dieser Karten ganz leer ist, ist meine Vergangenheit dahin. Ein Teil ist schon weg. Der Stapel stand ursprünglich über und war bestimmt 10-15 cm höher.

Das Sich-Trennen von den Spielzeugen geht mir nicht so nah, wie mich das Trennen von meiner Post beschäftigt. Denn all die Zeilen von mir, in denen ich mich teilweise immer noch so gut bei kurzen Überfliegen und Einblicken wiedererkannte… So fühlt es sich an, als würde ich mich selbst wegwerfen.

Ich – bereit für die Entsorgung.

 

Ok, ok. Ich mache gerade ein wenig auf Drama-King und übertreibe… etwas. ;o) Doch vielleicht kann dieses Gefühl ja auch jemand nachvollziehen? Oder stehe ich da alleine?

Sei es, wie es sei.

Mein Keller ist jetzt zumindest frei wie gefordert.
Ein Großteil meiner Vergangenheit ausgemistet + weggeworfen.
Und somit ungeschrieben.

Ziel erfüllt?

 

Eine Antwort zu “Vergangen…heit

  1. Meinen Schulkram habe ich schon lange nicht mehr. Generell bin ich ein Freund davon, nicht zuviel zu haben und ich misste regelmäßig aus, um nicht zu viele „Altlasten“ mitzuschleppen. Manchmal sind es unwichtge Dinge, die man getrost vergessen kann, an andere erinnert man sich auch ohne, dass es einem Gegenstand bedarf, der die Erinnerung speichert. Wieder anderes will man einfach vergessen und kann nicht ;) Ich finde ausmisten immer sehr befreiend und ich sammle auch nicht wirklich viel, sondern behalte nur das, was mir wirklich wichtig ist an CDs / Büchern / Spielen.
    Meine Briefe habe ich alle noch, allerdings habe ich die, die ich geschrieben habe, nicht kopiert.

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