Zeit der Unsicherheit

Türschloss

Ich bin inzwischen mitten in meinem sechsten Lebensjahrzehnt – fünf habe ich bereits vollendet, deswegen steht die ja in meiner Altersangabe vorne. Und in all den Jahren habe ich mir nie wirklich Gedanken um Einbrecher gemacht. Weil… warum?

Seit ich in meiner jetzigen Höhle wohne sogar noch weniger. Denn da wohne ich im zweiten Stock Altbau. Bei einer Deckenhöhe von über 3 Metern sind das locker 7 Meter, bis mein Stockwerk überhaupt anfängt.

Ich habe zwar einen Balkon, doch auf den würdest du nur vom Nachbarbalkon kommen.
Gut, die Wohnung dort scheint wohl wieder leer zu sein, nach einem kurzen  Mietintermezzo im Herbst – und einer Katze, die wenigstens zwei Mal auf meinem Balkon zu Besuch war.

Ich würde also eher sagen: Wenn jemand bei mir einbrechen wollte, dann über den Balkon.

Auch wohne ich ja nicht wie ein Kollege in Frankfurt im Erdgeschoß, der im Januar Einbrecher bei sich verscheucht hat, die über das gekippte Fenster einsteigen wollten – wohl weil sie dachten, es sei keiner zu Hause.
Ich frage mich, wer sich da mehr erschreckt hat: Mein Kollege im Aufschrecken aus dem Halbschlaf des Einschlafens, oder die beiden Möchtegern-Einsteiger?
Wobei – beim Nachbarn von dem Kollegen war kurz vorher eingebrochen worden.

Aber – wie gesagt: Ich wohne nicht im Erdgeschoß.
Auch habe ich kein teures E-Fahrrad in meinem Keller stehen, welches einem anderem Kollegen aus eben diesem seinem – im hintersten Winkel liegenden – Keller geklaut wurde.

Nein, ich wohne im 2. Stock Altbau – und dazu muss „das Böse“ erstmal durchs Treppenhaus kommen. Und zwei Stockwerke hochgehen.
Naaa… das macht keiner.

Dachte ich.

Bis letzte Woche Freitag, als die Mieterin von ÜBER mir unten vor dem Haus stand, als ich heimkam, und auf die Polizei gewartet hat, weil bei ihr eingebrochen wurde.

Was?!

3 Stockwerke durchs Treppenhaus?

Meine Vermieterin wohnt unten im Haus im Erdgeschoss. Ich hatte ja immer das Gefühl, dass sie schon mitbekommen hat, wer so kommt oder geht. Doch anscheinend hat sich das ein wenig gelegt, seit ihr Mann nicht mehr lebt.
Zumindest hat sie definitiv nichts davon mitbekommen.

Dafür war dann die Polizei laut genug im Treppenhaus. Mit Tür schlagen, wohl zu Testzwecken. Da ich von der Nachbarin schon Bescheid wusste, bin ich auch nicht raus, um wegen dem Krach nachzusehen. Ich habe mich gefragt, ob sie dann nochmal durchs Haus gehen + fragen… haben sie nicht.

Ich habe nun also keine Ahnung, WANN dies passiert ist.
Tagsüber… oder Nachts…
Doch denke ich mir jetzt: Oh. Blöd.

Jetzt war an meiner Wohnungstür schon immer ein zweites Schloss für einen Extra-Riegel. Das habe ich am Anfang nur mal getestet. Und seitdem nie benutzt.
Bis jetzt.

Tatsächlich habe ich dieses Schloss nun schon mehrmals benutzt. Und zwar wenn ich jetzt zur Arbeit gehe – und auch schon während der Einkaufszeit.

Und letzten Sonntag, wo ich frei hatte + nicht aus dem Haus bin, habe ich auch mal von innen zugedreht. Denn woher soll ich wissen, dass – wer auch immer es auch war – es nicht nochmal im Haus + vielleicht gar bei mir versuchen will?
Und WENN er/sie/es das tut, will ich es so schwer wie möglich machen.

Ist die Frage, wie lange ich das nun machen werde.

Nun, wenigstens eine Weile.

Und vielleicht legt sich dieses Gefühl der Unsicherheit ja auch wieder.

Mal sehen.

Feuer vor schwarzem Hintergrund