Arbeitgeber

 

Ich hatte vor ein paar Tagen was über unsere Tarifverhandlungen gepostet – und dabei auch einen Interviewbeitrag eines Arbeitgebervertreters zitiert. Nämlich, dass wir als Anlernberuf mehr bekommen würden als Soziale Berufe.

Ich hatte mich im Anschluss dann etwas ungeschickt geäußert, weswegen ich von Drachenechse gerügt wurde. Die studiert nämlich in diesem Bereich und kennt die Missstände und Probleme aus erster Hand. Ich habe diesen kritisierten Teil nun etwas besser formuliert, wie ich denke, und geändert. Zumindest habe ich daraufhin von ihr ein „Besser.“ bekommen.

Im Nachhinein kam mir nun auf dem Weg hier zur Arbeit ein Gedanke, auf dem ich jetzt aufbauen will.

Wenn nämlich dieser Herr der Arbeitgebervertretung sagt, unser Lohn sei nicht gerechtfertigt, weil ja die Sozialen Berufe auch nicht so viel bekommen… da frage ich mich jetzt, wie er wohl reagieren würde, wenn unsere Berufsgruppe sich mit diesen Berufen solidarisieren würde und bei deren nächsten Verhandlungen einfach mit in Streik gehen würde?

Wenn er sagt, umschrieben natürlich nur, dass diese mehr Geld verdienen sollten – dann müsste er doch damit einverstanden sein, wenn wir sie da unterstützen.

Oder?

Wieso glaube ich nicht, dass er damit einverstanden wäre? Das ist so ein Gefühl…

Das Gefühl, dass kein Arbeitgeber etwas dagegen hat, Arbeiter und Angestellte gerecht zu entlohnen… Solange es nicht die eigenen Arbeiter und Angestellte sind und damit den eigenen Geldbeutel betrifft.

Kommt es mir nur so vor, oder ist den Firmen – zumindest vielen + wahrscheinlich eher den Großen – das soziale Bemühen um ihre Arbeiter und deren Umfeld inzwischen ziemlich egal?

Wie ebenso erwähnt: unsere Firma braucht Mitarbeiter. Viele Mitarbeiter. (Ich weiß nicht, ob die Zahl von 400 immer noch aktuell ist.)
Wie bekommt firma Mitarbeiter?
Sicher auch durch einen entsprechenden Lohn. Doch wenn prinzipiell nur noch Teilzeitstellen angeboten werden… Wieso sollte ich dann dorthin wechseln? Vor allem, wenn dann noch gar nicht sicher ist, dass ich die Prüfung überhaupt schaffe?

Noch besser ist eigentlich, dass anscheinend noch bis vorletztes Jahr (lt. Aussage einer Dame vom Gesamtbetriebsrat vom letzten Jahr) die Firma keine Bewerbungen von Umsteigern genommen hat. Also Personen, die z.B von einem Supermarktkassenjob hierher wechseln wollten, sondern anscheinend nur von Personen, die über das Arbeitsamt vermittelt wurden. Weil es da Vermittlungsgutscheine abzugreifen gab oder sonst eine Unterstützung. Unterstelle ich jetzt mal.

Hallo?

Wenn ich wirklich – WIRKLICH!! – Mitarbeiter benötige, strecke ich doch alle Fühler überallhin aus. Und ich biete VOLLE Stellen an. Keine Teilzeit, oder nicht nur. Denn natürlich: Selbst, wenn jemand nur einen Vertrag über 80 oder 100 Stunden hat… dann wird dieser Jemand nicht etwa so geplant, dass er/sie entsprechend mehr freie Tage hat, an denen sie/er dann woanders arbeiten kann. Nein. Dann werden so kurze Schichten geplant, dass er/sie auch wirklich jeden Tag hierher zum Arbeiten kommen darf. Genau wie die Kollegen, die noch eine Vollstelle haben. Wie sie/er dann das restliche benötigte Geld verdient? Ist doch der Firma egal. Nicht ihre Angelegenheit.

Also – wieso sollte ich nochmal bei so einer Firma anfangen? Außer wegen des guten Stundenlohns?

Oder die große Mutter.

Betreiberin dieses (und inzwischen noch einiger anderer) Flughafens.

Als „Sozialer Arbeitgeber“ sourct die natürlich jetzt alle Arbeitsgebiete aus, die man für das funktionelle Betreiben eines Flughafens braucht: Bodenverkehrsdienste, Luftsicherheitskontrolle, Airport Security… Die kosten ja Geld – und am meisten kann firma nun mal nur mit den Gebäuden an sich verdienen. Und wenn dann die Fluggäste in den Läden hier 30 ct weniger im Durchschnitt lassen, dann muss da gegengesteuert werden…

Echt jetzt?

Ich kann verstehen, dass ein Betrieb so viel erwirtschaften sollte, das er sich selbst trägt plus benötigter Investitionen. Und in meinen Augen sollte sich das auch für die Mitarbeiter lohnen. Eine Firma ist so gut wie ihre Mitarbeiter.

Hihi… bei der großen Mutter läuft gerade ein „Kulturcheck“, ob wir wissen, wie die große Mutter tickt. Ich denke mir nur: Klar. Kohle scheffeln. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Warum sollte ich diese Umfrage also beantworten? Anscheinend denken mehrere so – denn der Abgabetermin wurde nach hinten verschoben. Bestimmt wegen des großen Andrangs… ^^

Und bei meiner Firma hört Ende dieses Monates einer der Geschäftsführer auf.

Derjenige, der letztes Jahr bei einer Betriebsversammlung anhand verschiedener Diagramme gezeigt hat, wieviel wir Mitarbeiter der Firma kosten.

„So viel kosten sie uns…“

Eine Kollegin neben mir meinte da nur, dass die Geschäftsführung dann wohl ehrenamtlich arbeitet.

Dieser Geschäftsführer hört auf – und alle, die im betrieblichen Diensttauschportal registriert sind, haben jetzt eine Mail bekommen.

„Um gebührend Danke zu sagen, wollen wir allen … Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich mit ein paar persönlichen Worten zu verabschieden.“

Wieder mal: Echt jetzt?

Ich frage mich wirklich, wie viele Mitarbeiter_innen dabei mitmachen. Von der Spur.
Unsere Büroleutchen… Das da welche mitmachen, kann ich mir denken. Aber von Draußen oder der Spur?

Auch hier werde ich mich nicht beteiligen. Denn ich nehme nicht an, dass meine „persönlichen Worte“ hier gerne gesehen wären.

*schnauf*

Ich will endlich im Lotto gewinnen + selber Cheffe werden. Zusammen mit Drachenechse und Fuchs unser Projekt in Angriff nehmen.

Hmpf.

Nun gut.

So schnell wird das wohl nichts. Also weiter wie gehabt. (Oder fast, denn hier wird ja gerne mal was geändert.) Und sich Gedanken über Arbeitgeber machen – und wie ich anders wäre.

Bestimmt.

Ich hoffe es zumindest.

 

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