Wer schreibt, bleibt.

Schreib mal wieder...

Schreib mal wieder…

So hab‘ ich es wenigstens mal gehört. Und in einem gewissen Sinn stimmt das auch. Zumindest für vieles, was altmodisch noch auf Papier festgehalten ist. Für alle Blogs und Artikel und was weiss ich, die elektronisch auf Rechnern, Disketten, CDs, etc. und im Internet gespeichert wurden – dafür würde ich meine Hand jetzt nicht ins Feuer legen.
Nun gut – selbiges wäre natürlich bei Papier auch eher… speicherverzehrend.

Also – heute habe ich es mal – Überraschung – vom Schreiben. Speziell vom altmodischen Briefe-Schreiben. Damit hatte ich mal vor ein paar Monaten bei einem Kollegen Eindruck gemacht – da ich auf der Arbeit in meinen freien Phasen mal wieder einen Brief geschrieben habe. Anscheinend ist das Briefe schreiben sehr altmodisch geworden. Oder wie sagt man dazu wohl jetzt? Retro? ;o)
Ja, ich schreibe noch Briefe. Immer wieder mal, eigentlich meistens auf der Arbeit. In der Nachtschicht – oder auf Arbeitsplätzen, an denen ich es besser finde, mein Hirn mit Lesen oder Schreiben wach zu halten, anstatt einzuschlafen. Was denkt Ihr denn, wo ich meine meisten Blogs vorschreibe? ;o)
Aber zurück zum Briefeschreiben.

In meiner Jugend war ich noch nicht so der Briefeschreiber – da habe ich vielleicht mal an meine Verwandtschaft geschrieben. Richtig los ging es eigentlich erst in meinen Zwanzigern – da hab ich über Theaterwerkstätten Kontakte geknüpft, aus denen – zumindest zeitweise – fleißige Brieffreundschaften wurden. Die Zeitspannen dafür beliefen sich zwischen einen und zehn Jahren – jetzt mal grob geschätzt.
Irgendwann habe ich dann das Verhalten entwickelt, Briefe an mich nicht gleich aufzureißen und zu lesen. Da habe ich einen Brief bekommen, auf den ich gewartet habe. Oder gehofft. Ich weiß jetzt nicht mehr genau, ob es der Brief aus Rudolstadt oder einer aus Frankfurt war… aber ich habe ihn mittags bekommen… und habe dann mit dem Lesen des Briefes bis abends gewartet, bis alle im Bett waren und ich meine Ruhe hatte. Damals habe ich noch bei meinen Eltern und meiner Schwester gewohnt. Und von denen wollte ich mich beim Lesen und Antworten darauf nicht stören lassen.
Es war auf jeden Fall ein für mich sehr wichtiger Brief – dem wollte ich meine Zeit ganz alleine widmen.
Auch wenn ich jetzt nicht weiß, ob ich dieses Verhalten wirklich bei allen Briefen in der Zwischenzeit angewendet habe (ich denke eher nicht), so weiß ich, dass ich das bei meinem zuletzt bekommenen so gehalten habe. Gewartet bis abends – um ihn dann sozusagen als Gute-Nacht-Lektüre zu lesen.
Das war mal wieder schön. Schön, mal wieder selber einen Brief zu bekommen. Denn irgendwie schreibe ich selber mehr Briefe, als welche zu bekommen.

Das ist noch ein Punkt, den ich loswerden möchte:
Ich habe immer mal wieder Phasen, da habe ich Bock auf Schreiben. Tagebuch ist irgendwann mal fertig nachgetragen, Geschichtentechnisch hab ich keine Idee – oder keine Lust (gilt auch für’s Blogen) – was dann also tun?
Bekannte und Freunde von mir mit seitenlangen schriftlichen Labereien nerven. Per Brief. So richtig mit Füller und Tinte. In Grün.
Nun gut – ich hoffe einfach mal, dass ich sie nicht zu sehr nerve, da sich doch hoffentlich jeder freut, mal wieder einen Brief zu bekommen, der KEINE Werbung oder Rechnung ist.
Das hab ich zumindest auch schon mal aus Berlin als Rückmeldung bekommen – dass man sich gefreut hat.
Aber das ist halt auch alles eine Sache des Verhältnisses.
Einmal ein Brief mit 4 Seiten (gleich 2 Blättern also) ist ja ganz schön. Drei oder vier Briefe dagegen… da wird es langsam aufdringlich. Wenn man selber nicht geantwortet hat. Und das ist leider oft der Fall.
Die einzige Person, die ich ohne schlechtes Gewissen mit Briefen zukleistern kann – ohne das ich eine Antwort erwarten muss – dass ist mein Vater. Der wohnt in Freiburg, ist viel unterwegs. Wir sehen uns meistens alle paar Monate mal, wenn er wieder in die Welt hinaus fliegt. Und von daher habe ich hier jemanden, dem ich haarklein erzählen kann, was es bei mir alles so gibt. Der darf/muss sich das Anhören bzw. Lesen. Und von ihm erwarte ich auch gar nicht, das er genauso viel zurückschreibt. Er muss beruflich viel schreiben – da reicht es, wenn er meine Sachen liest.
Also – kein schlechtes Gewissen, Papa. ;o)
Mit dir telefoniere ich wenigstens ab und zu und wir schreiben uns emails.
Aber bei anderen ist das halt nicht so. Entsprechend bin ich immer wieder am überlegen, wem ich denn jetzt mal schreiben könnte – ohne das es vielleicht zu aufdringlich wird.

Jemand meinte mal zu mir, ich bin eine treue Seele. Klingt eigentlich nicht schlecht – und ist wohl auch nett gemeint gewesen. Doch ich kann das jetzt auch so auslegen, dass ich einfach zu dumm bin zu merken, wenn der andere keine Lust mehr auf diese Freundschaft hat – dies aber nicht sagt.
Das ist dann eine treue – dumme – Seele.

Zum Glück habe ich jetzt eine neue „Gegnerin“ im Federkrieg aus München. Endlich mal wieder jemand, der auch auf die altmodische Art antwortet. Wobei mir ja auch eine Reaktion per mail oder SMS schon öfters genügen würde.
Zumindestens erreiche ich diese Reaktion noch mit meinen Karten, die ich die letzten 3 Jahre von meinen Kurztrips und –urlauben vor Weihnachten geschrieben habe.
Da habe ich mir extra eine Liste im Vorfeld gemacht, wem ich alles grüßen will, damit ich niemanden vergesse. Da stehen meine ganzen Tanten und Onkels drauf – damit die wenigstens einmal im Jahr Post von mir bekommen – und ein paar Freunde und Bekannte. Da komm ich schon locker auf 30 Adressen. Und darauf gibt es tatsächlich eher noch eine Reaktion als auf einen Brief. Eine Karte ist halt schneller mal geschrieben. Sie ist sozusagen die SMS der analogen Form. ;o)

In diesem Sinne – schreibt mal wieder. Brief oder Karte ist egal. Man freut sich sicherlich darüber.

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