Familie

Es gibt da ja ein Sprichwort: Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht.
Doch auch wenn man sich also die Familie nicht aussuchen kann, bedeutet das ja nicht automatisch, das man diese kennt.

Ich habe z.B. quasi 3 Familien:
Die von meiner Mutter.
Die von meinem Vater 2 – also Stiefvater. Den Mann, den meine Mutter geheiratet hat.
Und die von meinem leiblichen Vater, quasi Vater 1.
Da ich diesen erst wieder mit 16 kennengelernt habe, hatte ich bis dahin keine Ahnung von dessen Familie. Bei seinem 40. Geburtstag ’88 hatte ich dann zwar meine Oma kennengelernt, was mir aber eher unangenehm in Erinnerung blieb. Darum habe ich anschließend auf Einladungen meines Vater zu den Geburtstagen meiner Oma mit Ablehnung reagiert.
Das nächste Kennenlernen meiner Oma geschah dann ’99 und lief um einiges besser.
So habe ich dann also das erste Mal einen Blick in diese Familie am 85.sten Geburtstag meiner Oma geworfen, 2007. Und den zweiten an deren Beerdigung 2009. Ein Blick, der mit einem Mal nicht zu schaffen ist, innerhalb von 3-5 Stunden. Schließlich beinhaltet diese Familie:
3 Tanten plus Männer, sowie 2 Onkel und Frauen; 10 Cousins + Cousinen samt Partner/Ehegatten und deren Kinder. Ich glaube 13.
Bei meiner Mutter ist das ja ähnlich: 3 Schwester + 3 Brüder + Ehegespons ergeben 11 Cousins + Cousinen. Plus auf dieser Seite bisher 2 Kinder.
Von denen ich weiß.
Das es da noch nicht so viele Kinder gibt, liegt auch daran, das ich dort als Cousin mit Abstand der Älteste bin – während väterlicherseits ich „nur“ auf Platz 3 stehen dürfte. Dicht gefolgt von den Cousins 4 + 5. ;o)
Bei meinem Vater 2 ist es dagegen viel überschaubarer: 1 Bruder und 1 Schwester samt Gatten. Fertig.
Und natürlich darf ich da nicht meine Schwester samt Mann und 3 Kinder vergessen.
Wenn schon, denn schon.

Dies war also nur mal die zahlenmäßige Aufstellung.
Die, die ich mir nicht aussuchen konnte.
Und doch habe ich es irgendwie getan.
Denn von der Familie meines Vaters war letztes Wochenende Familientreffen angesagt.
Aufgerufen und eingeladen dazu wurde von meinem Vater, nachdem dieser Wunsch wohl vermehrt bei der Elterngeneration geäußert wurde. Bis dato hatte sich die Familie sonst immer auf den Geburtstagen meiner Oma getroffen. Bei deren zuletzt gefeierten ich ja dann plötzlich in der Tür stand… von dem bis dahin wohl kaum jemand wußte. Vielleicht die Geschwister meines Vaters – doch eher weniger deren Kinder.

Ich habe nicht lange gebraucht, um mich für das Treffen zu entscheiden. Über die kompletten 3-4 Tage, von Donnerstag bis Sonntag. Die Entscheidung fiel schnell – doch je näher der Termin rückte, desto größer wurden die Zweifel: Was soll ich so viele Tage mit so vielen mir doch unbekannten Leuten anstellen?
Nun – das Treffen ist vorbei. Und ich habe es überlebt. ;o)
Und mein Fazit: Es war ok. Recht nett.
Das Einzige, das mich genervt hat, war das Grimasseschneiden meines Vaters. Doch dafür hat er sich gestern noch entschuldigt, bevor er wieder mal nach China zum Arbeiten geflogen ist. Dafür haben wir uns am Flughafen getroffen – obwohl wir uns doch die 4 Tage davor auch schon gesehen haben. Aber ich wollte diese Tradition nicht abreißen lassen: Wenn mein Vater fliegt und ich habe frei oder kann es einrichten, treffe ich mich mit ihm am Flughafen. Aber das ist eigentlich eine andere Geschichte. ;o)

So habe ich also über 3-4 Tage einen Großteil der Familie väterlicherseits wiedergesehen. Nachdem die Familie sich weit verteilt – München, Bodensee, Ravensburg, Ulm, Bad Kissingen, Mainz, Saarbrücken, Freiburg – haben viele die Gelegenheit genutzt, Omas und Opas; Onkels; Tanten; Cousins + Cousinen; Brüder + Schwestern wiederzusehen. Und zwar alle auf einmal.
Die Tochter eines Cousins hatte sich einen Familienplan gemalt, mit allen Onkels und Tanten, deren Hunden und Kindern, sowie deren Kinder. Auf den habe ich auch gerne mal draufgesehen. Bin gespannt, ob ich ihn gemailt bekomme.
Wir haben viel ungezwungen beisammen gesessen. Am Freitag sind alle ausgeflogen, um dann nach und nach im alten Elternhaus einzutrudeln. Dort wohnt jetzt der Jüngste mit Frau und Kind.
Auch ich habe das so gehandhabt: Erst ein bischen durch die Gegend gefahren; dann das Grab der Großeltern gesucht und gefunden; ein wenig in die Stadt Hassfurt… dann eine Weile auf „der Promenade“ absitzen. Und dann zum Haus.
Abends ging es zum Essen in ein Gasthaus, in dem die älteste Schwester vor 50 Jahren ihre Hochzeit gefeiert hat. Danach noch ein wenig in der eigenen Unterkunft zusammengesessen.
Samstags bin ich mit meinem Vater ein wenig gelaufen. Für Spazieren zu weit – für Wandern zu kurz. ;o)
Und dann wurde wieder gemütlich zusammengesessen. Die ersten waren schon wieder weg, dafür kamen andere noch vorbei. Was letztendlich zu ein paar Fußballspielen führte – bei denen auch gerne mal ein paar der Hunde mitgemacht haben.
Es war eine gute Stimmung über das Wochenende.
Von daher bin ich froh, dabeigewesen zu sein.
Das jetzt aber bald fast sämtliche Cousins und Cousinen verheiratet sind und zum Großteil eigene Familien und eigene Häuser haben… nun, das ist für das eigene Selbstwertgefühl nicht ganz so hilfreich.
Doch dafür können sie ja nichts.
Das ist meine Sache.

Mal sehen, ob und wann es davon eine Wiederholung geben wird.
Und ob ich da dann auch wieder dabei sein will/werde.
Wer weiß das schon. Ich jetzt zumindest noch nicht.